Bergisch Gladbach/Refrath – Die National offenen NRW-Meisterschaften wurden wie schon im Vorjahr in Kombination mit dem Preis von Refrath im G&LC Köln ausgetragen. 123 Athleten aus ganz Deutschland waren auf der traditionsreichen Anlage in Refrath am Start.
Bei den Männern drückte ein in Köln bestens bekannter Routinier dem Turnier seinen Stempel auf. Felix Wartenberg, der im GC Mondsee in Österreich mit dem Golf begonnen und beim Marienburger GC noch in der 1. Bundesliga der Deutschen Golf Liga gespielt hatte, legte in der Auftaktrunde eine überragende 65 vor. Bogeyfrei knallte der Rheinländer fünf Birdies und ein Eagle auf den Platz und hatte damit schon die Vorentscheidung erzwungen, weil die ersten Verfolger sich mühten, überhaupt unter Par zu bleiben.
Auch am zweiten Tag blieb der 38-Jährige unter Par und ging mit -8 in die Finalrunde. Acht Schläge Rückstand hatten zu diesem Zeitpunkt vier Athleten, von denen letztlich aber nur einer Edelmetall gewann.
Auch am Finaltag hielt der Routinier, der Anfang der Woche noch in der Wiege des Golfsports zwei Runden spielen durfte, seine Scorekarte lange sauber und drapierte noch einige Birdies dazu. Nach zwölf Löchern stand der Gesamtscore Wartenbergs bei überragenden elf unter Par.
Der Geist von St. Andrews wirkte bis dahin perfekt. Old Course und Castle Course waren Inspiration für den neuen Meister und Sieger des Preises von Refrath, denn auch ein Bogey und gar ein Dreiputt-Doppelbogey änderten nichts mehr daran, dass Felix Wartenberg weit entrückt auf das geschlagene Feld blicken durfte.
Aufholjagd
Dabei hatte ein Bayer durch einen ungewöhnlichen Lauf zur Aufholjagd geblasen. Luca Scheublein vom GC Olching lag nach 72 und 75 Schlägen nur auf dem 13. Platz, als er am Morgen in die Finalrunde startete. Bei weiter herrlichem Sommerwetter mit über 30 Grad spielte sich der Athlet aus dem Freistaat aber schnell in einen wahren Rausch. Vor allem auf den Grüns lief es an diesem Tag nahezu perfekt und so lochte der 26-Jährige fast nach Belieben aus jeder Entfernung zum Birdie ein. Insgesamt kamen neun Birdies auf die Karte. Mehr Birdies hatte Scheublein noch nie gespielt. Der Athlet, der noch auf eine Nominierung für das DGV-Team zur European Mid-Amateur Men’s Team Championship hofft, hat in Schweinfurt mit dem Golfsport begonnen und war über den GC Maria Bildhausen zum GC Olching gekommen.
Nach dem Abstieg seines Teams aus der 2. Bundesliga liebäugelt der ehrgeizige Athlet, der in zwei Wochen auch bei der Deutschen Meisterschaft im GC Teutoburger Wald antreten wird, mit einem Wechsel zum frisch gekürten Deutschen Mannschaftsmeister GC Am Habsberg, weil ihn die 1. Bundesliga sehr reizt.
Mit einer 65, bei der der Bayer sogar zwei Bogeys verkraften musste, ging es beim Preis von Refrath noch auf den Silberplatz. Die weite Anreise hatte sich gelohnt. Dass Luca Scheublein überhaupt an diesem Turnier teilgenommen hat, ist ein Ergebnis der VcG Open. Vor einigen Wochen war die Pro Golf Tour an gleicher Stelle zu Gast gewesen und Athleten, die bei diesem Turnier erstmals den herausragenden Platz des G&LC Köln spielen durften, hatten in höchsten Tönen von Club und Platz geschwärmt, sodass die Meldung im „Deutschen Augusta“ eine Folge dieser Empfehlungen war.
Obwohl das lange Spiel des Bayern am Finaltag nicht so gut war wie an den Tagen zuvor, reichten mit einem sehr heißen Putter 28 Putts zum Gesamtscore von vier unter Par. Der Rückstand auf den Sieger war auf nur noch vier Zähler geschrumpft.
Edelmetall für Junior Team Germany
Auf Platz drei des Turniers folgte wieder ein Rheinländer. Lauro Merten, der formal noch für den GC Hubbelrath antrat, tatsächlich aber schon wieder bei seinem Düsseldorfer GC zu Hause ist, erlebte eine wechselhafte Finalrunde. Nach holprigem Start reichte ein Zwischenspurt mit zwei Birdies und zwei Eagles innerhalb von nur acht Löchern, um den Score insgesamt auf 69 Schläge zu drücken. Nach 72 und 73 Schlägen an den beiden ersten Wettkampftagen stand der Gesamtscore bei -2. Der Youngster des Junior Team Germany bekam für seine Leistung die Silbermedaille der NRW-Meisterschaften.
Ein vierter Athlet schaffte es noch, den Platz des G&LC Köln insgesamt unter Par zu bezwingen. Tim Brohl, der in der Vorwoche noch die Farben des Junior Team Germany auf der ganz großen Bühne der U.S. Boys vertreten hatte, unterschrieb Scorekarten mit 72, 72 und 71 Schlägen. Lohn des Spielers des GC Rhein-Sieg war in der Wertung der NRW-Meisterschaften die Bronzemedaille.
Entscheidung im Stechen
Ungleich spannender als bei den Männern ging es bei den Frauen zu. Am Ende standen zwei Athletinnen schlaggleich auf dem ersten Platz, sodass ein Stechen die Entscheidung bringen musste.
Olivia Meinecke war mit einer 81 alles andere als vielversprechend ins Turnier gestartet. Stark, wie die Spielerin des Düsseldorfer GC sich am zweiten Tag mit einer 68 um satte 13 Schläge verbesserte und mit diesem Score gleichzeitig das tiefste Ergebnis der Frauenkonkurrenz unterschreiben durfte.
Trotzdem ging die College-Studentin mit sechs Schlägen Rückstand auf Anna Marie Hommel von Rang vier in die Finalrunde. Die Spielerin des Bundesligisten GC Hösel war mit 71 und 72 Schlägen vor der dritten Runde die einzige Teilnehmerin, die unter Par lag. Am Finaltag hatte Hommel dann aber nicht das Glück der Tüchtigen auf ihrer Seite. Am Vortag hatte sie noch einen Eagle und drei Birdies notiert, nun konnte sie die vier Bogeys und ein Doppelbogey mit nur einem Birdie nicht ausgleichen, sodass am Ende eine 77 (+5) stand. Da gleichzeitig Olivia Meinecke auf dem 18. Grün mit ihrem fünften Birdie ihren Score für den Tag auf 71 (-1) drückte, standen beide Bundesliga-Spielerinnen mit +4 schlaggleich an der Spitze.
Zweites Extraloch
Im Stechen wurde Loch 18 gespielt. Im ersten Durchlauf gab es keine Entscheidung. Auf dem zweiten Extraloch durfte Olivia Meinecke, die für das Stechen Dora Henze vom GC Hubbelrath am Bag hatte, jubeln und sicherte sich nach famoser Aufholjagd noch den Titel der NRW-Meisterin in der offenen Altersklasse, während Anna Marie Hommel mit Silber zufrieden sein musste.
Auch dahinter ging es sehr eng zu. Jinlei Zhong vom GC Mülheim an der Ruhr war neben der Siegerin die einzige Athletin, die am Finaltag unter Par blieb. Die 71 kam unter anderem durch drei Birdies auf den letzten fünf Löchern zustande. Mit 77, 73 und eben 71 Schlägen belegte die Spielerin aus der Ruhrstadt den dritten Platz und verdrängte Johanna Schobben noch vom Podium.
Die Athletin des Düsseldorfer GC war von Platz zwei in den dritten Wettkampftag gestartet, fiel mit einer 77 aber noch aus den Medaillenrängen auf Rang vier zurück.
Heimliche Stars: die Greenkeeper
Der Platz präsentierte sich in Top-Verfassung, obwohl es seit dem Profi-Turnier nicht mehr richtig geregnet hatte. Die Spieler lobten das Greenkeeping in höchsten Tönen.
Auch im kommenden Jahr wird das Turnier wieder als Co-Produktion in dieser Form an gleicher Stelle ausgetragen: National Offene NRW-Meisterschaften gemeinsam mit dem Preis von Refrath, der bereits seit 1953 ausgetragen wird und bei dem viele bekannte Namen auf dem Siegerteller stehen. Auch Jürgen-Peter Kretschmer, der aktuelle Präsident des Golfverbandes NRW, der bei dieser Auflage als Referee zur Spielleitung gehörte, hat das Turnier bereits gewonnen.
Die Strahlkraft über die Grenzen von NRW hinaus hat bei der zweiten Auflage in der national offenen Spielweise Athleten auch aus Hamburg, Frankfurt, St. Leon-Rot und München angelockt. Waren es bei der Premiere nur fünf Spieler, die nicht aus NRW kamen, hatten in diesem Jahr bereits 15 Athleten aus der gesamten Republik ihren Hut in den Ring geworfen. Jürgen-Peter Kretschmer betonte im Rahmen der Siegerehrung, dass er sich sehr darüber freuen würde, wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, um das Niveau dieses Turniers noch weiter zu steigern und damit dieses Highlight im Terminkalender des Golfverbandes NRW weiter wächst.
Bester Spieler des gastgebenden G&LC Köln war Noah Müller-Frank, der sich mit 73, 72 und 72 Schlägen einen guten sechsten Platz erspielte.











