Beim Verbandstag 2026 des Golfverbandes Nordrhein-Westfalen standen neben den Regularien vor allem zwei Themen im Mittelpunkt: die Weiterentwicklung des Verbandes und das klare Bekenntnis des Golfsports zu Natur, Nachwuchs und sportlicher Qualität. In Mettmann kamen Vertreter von 23 Mitgliedern mit insgesamt 40 Stimmen zusammen.
Bereits vor dem Einstieg in die Tagesordnung setzte der Verband ein sichtbares Zeichen: Urkunden im Rahmen des Projekts „Lebensraum Golfplatz – Wir fördern Artenvielfalt“ sowie für rezertifizierte Anlagen im DGV-Programm „Golf & Natur“ wurden an Clubs aus Nordrhein-Westfalen übergeben. Aus 16 Clubs waren Vertreter angereist, um die Auszeichnungen entgegenzunehmen. Dr. Joseph Tumbrink aus der Abteilung Naturschutz im Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW überreichte die Urkunden. Die besondere Wertschätzung der Bemühungen des Golfsports in Sachen Artenschutz und Biodiversität wurde auch dadurch deutlich, dass mit André Seitz ein zweiter Vertreter des Ministeriums angereist war.
Der Verband knüpfte an seine Kooperation mit der Landesregierung aus dem Oktober 2024 an. Ziel bleibt es, die Bedeutung von Golfanlagen als Lebensräume stärker sichtbar zu machen und konkrete Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität in den Clubs zu unterstützen. Ergänzt wird dieser Weg seit Juli 2025 durch die Zusammenarbeit mit dem NABU NRW, die nach Einschätzung des Verbandes vielerorts bereits sehr gut funktioniert.
Dr. Joseph Tumbrinck überbrachte die Grüße von Umweltminister Oliver Krischer, der wegen der zeitgleich tagenden Verkehrsministerkonferenz am Bodensee nicht persönlich anwesend sein konnte. Er machte deutlich, dass das Thema im Ministerium einen hohen Stellenwert genießt und warb zugleich für die Nutzung der neuen Naturschutz-Förderinstrumente des Landes. Mit Blick auf die seit 2024 bestehenden Umweltschecks sagte er an die Adresse der Golfclubs: „Nutzen Sie das, machen Sie da was.“ Pro Projekt könnten auf unbürokratischem Weg bis zu 2.000 Euro beantragt werden. Auch die Zusammenarbeit zwischen Golf und NABU bewertete Tumbrinck ausdrücklich positiv: „Ich höre auch von der Zusammenarbeit mit dem NABU nur Gutes. Sie müssen sich nicht verstecken. Wenn erforderlich, stehen wir an Ihrer Seite! Ich freue mich, dass es weitergeht.“ Zum Abschied gab er den Clubs noch eine klare Botschaft mit auf den Weg: „Die Tür ist bei uns immer für Sie offen!“
Hans-Georg Blümer, Geschäftsführer des Golfverbandes NRW, richtete sich mit einem deutlichen Appell an die Golfclubs, das Projekt weiter aktiv mitzutragen. Zudem kündigte er das zweite Symposium zu diesem Themenfeld für den 24. Oktober 2026 an und warb mit Nachdruck dafür, die Chancen der Kooperationen zu nutzen: „Mitmachen! Es ist nur positiv!“
Im offiziellen Teil des Verbandstages, durch den Präsident Jürgen Peter Kretschmer führte, wurde das Protokoll des ordentlichen Verbandstages vom 27. März 2025 einstimmig genehmigt. Zuvor gedachte die Versammlung in einer stillen Minute des kürzlich verstorbenen früheren Präsidenten Goerdt Stubbe. Der Verband würdigte ihn als prägende Persönlichkeit, die den Golfsport in Nordrhein-Westfalen über viele Jahre mit hoher Kompetenz, Integrität und großem ehrenamtlichem Einsatz begleitet hat. Besonders sein Wirken als Referee und sein Beitrag zur Entwicklung des Platzrichterwesens in Deutschland wurden hervorgehoben.
In seinem Jahresbericht zog das Präsidium eine insgesamt positive Bilanz. Die Zahl der Mitglieder im Golfverband NRW liegt aktuell bei 169, verteilt auf 159 Anlagen. Die Zahl der Golferinnen und Golfer stieg im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 144.631. Damit hat Nordrhein-Westfalen erneut den mitgliederstärksten Landesgolfverband in Deutschland, in Augenhöhe mit Bayern. Auch finanziell sieht sich der Verband auf einem stabilen Kurs. Der geplante Aufwand für 2026 soll mit 6,90 Euro je Mitglied weiterhin unter dem von den Mitgliedern beschlossenen Höchstbeitrag von 8 Euro bleiben.
Sportlich blickte der Verband auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Besonders herausgestellt wurde der Gewinn der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft der Herren durch den GC Hösel. Dass im Endspiel mit dem GC Hubbelrath ein zweiter NRW-Club gegenüberstand, unterstrich aus Sicht des Präsidiums die starke Stellung Nordrhein-Westfalens im deutschen Leistungsgolf. Auch die Öffnung der Ligasysteme der Altersklassen 30, 50 und 65 für Professionals wurde als wichtiger Schritt eingeordnet.
Aus dem Sportgremium berichtete Hans-Georg Blümer von einer insgesamt erfreulichen Entwicklung. Nach einer eher verhaltenen Phase sei bei nationalen Meisterschaften wieder ein Aufwärtstrend erkennbar. Zahlreiche Mannschaften und Einzelspielerinnen und -spieler aus NRW gewannen Titel oder Medaillen auf Bundesebene. Zugleich verwies Blümer darauf, dass Leistungssport heute weit mehr umfasse als Techniktraining allein. Mentale Stärke, Athletik, Ernährung und langfristige Laufbahnentwicklung würden immer wichtiger.
Mit Blick auf den ab Sommer 2026 geltenden Rechtsanspruch auf Betreuung von Kindern in offenen Ganztagsschulen verwies Blümer auf die Chancen für eine engere Zusammenarbeit zwischen Schulen und Clubs. Wer Golf dauerhaft in Schulangebote integriere, könne Kinder früh an den Sport heranführen und mittelfristig an die Vereine binden. Auch Projekte wie die Birdie Bande und der NRW Talent Cup wurden als wichtige Bausteine genannt, um schon die Jüngsten für den Golfsport zu begeistern. Der Geschäftsführer des GV NRW formulierte dabei sehr klar den Schlüssel zum Erfolg: „Wir müssen uns um die Kleinen kümmern!“
Schatzmeister Matthias Wolff stellte die Jahresrechnung 2025 und den Finanzvoranschlag für 2026 vor. Das Ergebnis des vergangenen Jahres fiel besser aus als geplant. Statt eines kalkulierten Minus von 73.000 Euro stand tatsächlich nur ein Fehlbetrag von rund 10.000 Euro. Für 2026 plant der Verband bei steigenden Investitionen, insbesondere in die Jugendförderung, mit einem Minus von 94.000 Euro. Der Kassenbestand soll dennoch auf solidem Niveau bleiben. Der Jahresbericht des Präsidiums wurde von der Versammlung einstimmig angenommen. Auch die Entlastung des Präsidiums wurde einstimmig durchgeführt.
Bei den Wahlen zum Präsidium stand ein personeller Wechsel an. André Pastoors trat nicht erneut an. Sein langjähriges Wirken für den Verband wurde mit großem Dank gewürdigt. Wiedergewählt wurden Jens Hausmann und Gerd Rothfuchs. Neu in das Präsidium wurden Caroline Effert vom Aachener GC und Alexander Kirchner vom Bielefelder GC beziehungsweise GC Paderborner Land gewählt. Sämtliche Wahlen erfolgten einstimmig. „Vielen Dank für die Abstimmung. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit!“, sagte Caroline Effert nach ihrer Wahl stellvertretend.
Zum Abschluss eines harmonischen Verbandstages gab Marcus Neumann, Vorstand Sport im Deutschen Golf Verband, einen Ausblick auf die Themen des anstehenden DGV-Verbandstages in Frankfurt. Dabei ging es unter anderem um die digitale Entwicklung mit dem Ausweis in der golf.de-App, um Sportentwicklung, Mitgliederbindung und neue Konzepte wie das Projekt „Platzvielfalt“, das den Spielspaß durch besser passende Abschläge erhöhen soll. Auch hier stand die Frage im Zentrum, wie Golfanlagen sportlich attraktiver und gleichzeitig zugänglicher gestaltet werden können.
Unter dem Tagesordnungspunkt Verschiedenes gab es keine Wortmeldungen. Um 18.03 Uhr schloss der Präsident den Verbandstag und lud die Anwesenden traditionell zum Umtrunk bei Gesprächen in lockerer Atmosphäre ein.
Die sachliche Arbeit des Verbandstages zeigte, dass sich der Golfverband NRW in einem Spannungsfeld bewegt, das zugleich große Chancen bietet: Natur- und Artenschutz, Nachwuchsförderung, sportliche Entwicklung und stabile Verbandsarbeit sollen nicht nebeneinanderstehen, sondern zusammen gedacht werden. Genau darin lag an diesem Tag die eigentliche Botschaft. Der Verband will den Golfsport in Nordrhein-Westfalen nicht nur verwalten, sondern aktiv weiterentwickeln.







