Fast schon traditionell strahlt am Vormittag, an dem die jährliche Tagung der Spielführer der Golfclubs in Nordrhein-Westfalen ansteht, die Sonne von einem blauen Frühlingshimmel. 59 Vertreter aus 50 Clubs waren dennoch nach Mettmann gekommen.
Erhard Wetterich, der Vorsitzende des Sportgremiums im Golfverband NRW eröffnete die Tagung und ermunterte die Spielführer, Fragen zu stellen: "Das ist Ihre Veranstaltung!"
Zufrieden zeigte sich Wetterich damit, dass es in 2015 viel weniger Regelfragen nach Wettspielen gab und kein einziger Fall von Pfuscherei vorgetragen wurde.
Im Rückblick auf 2015 hob Erhard Wetterich die Erfolge auf deutscher Ebene von Nick Bachem (Marienburger GC) und Timo Vahlenkamp (GC Teutoburger Wald) in der Jugend hervor. In der AK 50 haben Susanne Dieners und Martin Birkholz vom Krefelder GC sowohl die Deutschen, wie auch die Internationalen Deutschen Meisterschaften gewonnen. In der AK 65 sicherte sich Jutta Geike (Bergisch Land) den Titel bei der DM. Bei der DM der Golfer mit Behinderung gewann Ursula Paula Mielke-Salzmann (Hubbelrath) einen Titel. Zudem gratulierte Wetterich noch den Herren des GC Hubbelrath für den Sieg beim Final Four der KRAMSKI Deutsche Golf Liga sowie den AK 35-Herren des Bochumer GC für den Sieg bei der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft.
"Wir nähern uns auch im Jugendbereich wieder an unsere Ansprüche an", spielte Erhard Wetterich auf den Aufschwung an, den Mädchen und Jungen im Länderpokal genommen haben. Beide Mannschaften aus NRW gewannen die Bronzemedaille, waren davor erst im Stechen am Einzug ins Finale gescheitert.
Das internationale Turnier um die Friendship-Trophy, bei der Teams aus Spanien, England, Frankreich und Deutschland aufeinander treffen, endete in 2015 mit dem 2. Platz für das NRW-Team.
Bei der Neueinteilung der AK 35/50/65 hat es keinen signifikanten Zulauf an Mannschaften gegeben. Respekt zollte Erhard Wetterich den Mitarbeitern der Geschäftsstelle: "Insgesamt werden 1.500 Mannschaften von der Geschäftsstelle betreut. Diese Mammutarbeit wird mit großem Erfolg bewältigt!"
Auf EGA-Ebene wird überlegt, das Alter für Jungsenioren auf 30 Jahre zu senken. Sollte dies umgesetzt werden und auch vom DGV übernommen werden, würde auch NRW diesem Schritt folgen.
Die Chance zur Meldung einer dritten Mannschaft aus einem Club in einer Altersklasse wurde nur vier Mal genutzt. Hinsichtlich des Einsatzes in unterschiedlichen Mannschaften eines Clubs gilt ab sofort die Regelung, dass ein Athlet, der zwei Mal in einer höheren Mannschaft derselben Altersklasse eingesetzt wurde, nicht mehr in der tieferen Mannschaft eingesetzt werden darf. Innerhalb einer Ligaebene gilt im Zweifel die Mannschaft als höhere, die vom Club als höhere gemeldet wurde, auch wenn diese in der Saison sportlich schlechter abschneidet.
Für die Qualifikation zur DMM AK 50 hatte der Sportrat einen Modus vorgeschlagen, der dann jedoch vom Präsidium des DGV gekippt wurde. Der DGV hat den föderalen Gedanken in den Vordergrund gestellt, nach dem jeder Meister eines Landes bzw. einer Wettspielregion für die DMM qualifiziert ist. "Das hat in meinen Augen mit einer sportlichen Konkurrenz nichts zu tun", machte Erhard Wetterich keinen Hehl daraus, dass er diese Regelung nicht bevorzugt.
Aus NRW-Sicht stellt sich die Frage, warum aus NRW die zweit- oder auch drittbeste Mannschaft nicht bei der DMM mitspielen darf, wenn diese sportlich deutlich besser ist als der Landessieger aus einer anderen Wettspielregion.
Ab 2017 gilt in der DMM AK 50, dass eine Mannschaft aus sechs Herren bzw. vier Damen besteht. Bei den Damen wird eine bundesweite Rangliste geführt und nach den Ergebnissen über CR werden dann für 2018 die Zugehörigkeiten zu den Ligen von der 1. Bundesliga und tiefer eingeteilt. Die Herren übernehmen die Platzierungen der DMM AK 50 Damen/Herren aus 2016.
Erhard Wetterich erläuterte, dass die Nachwuchsförderung in den beiden letzten Jahren umgestaltet wurde. Weiterhin erhält der GV NRW hierfür die Höchstfördersumme vom DGV. Neu sei vor allem, dass es nun einen Physiocoach gibt und sich zwei Landestrainer die Aufgaben teilen. Auch das dezentrale Training hat sich inzwischen bewährt.
Als neuer Landesleistungsstützpunkt wird der Kölner GC gewürdigt. "Wir sind hier bestens ausgehoben und finden dort beste Trainingsmöglichkeiten vor", so Wetterich.
Im Gespräch ist, den Athleten aus den NRW-Kadern auch sportpsychologische Hilfe anzubieten, um die Entwicklung hin zu potenziellen Tourspielern zu fördern.
Erhard Wetterich fasst alle Maßnahmen der Jugendförderung zusammen: "Wir wollen Kinder, Eltern, Clubs und Jugendwarte mitnehmen! Wir wollen aus Krefeld nichts den Clubs überstülpen. Es geht nicht um uns, es geht um den Golfsport!"
Hans-Georg Blümer ergänzt: "Dazu haben wir einen Arbeitskreis Jugend gegründet. Vorschläge kommen nun mehr und mehr aus den Clubs. Die Akzeptanz wird dadurch größer. Die Clubs sind letztlich die, die die Hauptarbeit machen. Die Spieler sind nun mehr im Club, da sie dort das Training mitmachen und wir so zu insgesamt höheren Trainingsumfängen kommen."
Im Top 2 gibt es eine Vorschau auf die Wettspielsaison 2016, die Wettspielbedingungen und Ausschreibungen.
Erhard Wetterich erläutert, dass Regelung A 2c) ("Groove-Regel) im Bereich des GV NRW weg fällt. Auf DGV-Ebene steht dies noch nicht fest. Hintergrund: der R&A hat gesagt, dass diese Regelung nur für die Profis und den Spitzenamateurbereich gelten soll.
Die Regelung A5 "Üben/Nachputten" fällt weg. Hierzu läuft aber noch eine formale Regelanfrage beim R&A, die eine finale Klärung ergeben soll.
Zu den Ausschreibungen der AK 35/50/65 werden einige Erläuterungen gegeben.
- Ein Spieler darf höchstens ins zwei Altersklassen antreten.
- Vorgabengrenze ist nun -26,0 und besser (vorher -36). Der Grund sind die Änderungen im EGA-Vorgabesystem.
- Spielen zwei Teams in einer AK, dürfen Spieler an einem Spieltag nur in einer von beiden Mannschaften spielen.
In NRW gibt es in der AK 16/18 ein neues Turnier mit Wertung ab 2017 für das World Amateur Golf Ranking. Deshalb sind 25 Prozent der Startplätze offen ausgeschrieben. Es werden bei diesem Turnier auch mehr Ranglistenpunkte für die Deutsche Rangliste zu erzielen sein.
Hans-Georg Blümer weist auf den Talent-Cup für Kinder bis 12 Jahren hin. Jeder Club kann teilnehmen, jedes Kind kann im Clubtraining mitmachen und die Ergebnisse werden an den Verband gemeldet. Dann erfolgt eine Einladung zum Regionalfinale, danach gehen die besten Kids zum Landesfinale. "Ich würde mich freuen, wenn Sie die Jugendwarte dabei unterstützen, dass die Kinder teilnehmen, so dass möglichst viele Kinder profitieren können", ermuntert Blümer die Sportwarte. Erhard Wetterich ergänzt: "Es geht darum, Kinder so an den Golfsport zu fesseln, dass diese mit Spaß und Motivation zum Club kommen."
Die Anregungen aus dem Plenum, die Übungsleiterausbildung dezentraler anzubieten und über einen Jugendtrainerassistentenlehrgang nach bayrischem Vorbild nachzudenken, werden von der Geschäftsstelle des GV NRW aufgegriffen.
Plätze für Wettspiele
Formal hat jeder Club unterschrieben, dass in jedem Jahr je ein Wettspiel für DGV und eines für den GV NRW auf der Anlage ausgetragen werden dürfen. Dies ist aber nicht nötig und der GV NRW möchte auch keinen Zwang ausüben. Aber, so Hans-Georg Blümer: "Wir sind von den Clubs abhängig, Anlagen zur Verfügung gestellt zu bekommen, um Wettspiele ausrichten zu können. Diese sportlichen Ereignisse kann man auch sehr gut nutzen, um Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben."
In Top 3 wird die Clubspielleiter-Ausbildung vorgestellt.
Clubsspielleiter sollen in Zukunft sicherstellen, dass eine kompetente Spielleitung an Spieltagen des KRAMSKI Deutsche Golf Liga vorhanden ist. Ab 2017 soll dies für alle Clubs, die in der DGL antreten, Pflicht werden. Zudem sollen die Clubspielleiter für NRW-Ligaspiele der AK 35/50/65, die Jugendliga und auch bei Clubwettspielen für einen regelkonformen Ablauf sorgen. Die Clubspielleiter-Ausbildung wird zur ersten Ebene der Spielleiterausbildung. Lehrgänge dazu bietet der GV NRW eventuell noch in diesem Frühjahr, spätestens aber im Herbst an. Die eintägigen Seminare werden rund sechs Stunden dauern und mit einer kleinen Prüfung abgeschlossen. Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben.
Inhalte der Ausbildung sollen alle wesentlichen Aspekte für einen reibungslosen Ablauf von Wettspielen sein:
- Vor dem Wettspiel:
Wettspielbedingungen, Ausschreibung, Platzvorbereitung, Platzregeln, Spielzeiten/Zeittabelle, Startlisten, Aushänge, Hilfspersonen und ein Notfallplan
- Während des Wettspiels:
Spielfluss erhalten, Regelentscheidungen und Spielunterbrechung
- Nach dem Wettspiel:
nachträgliche Regelentscheidungen, Ergebnismeldung und die formelle Beendigung des Wettspiels.
In Top 4 werden Informationen zum EGA-Vorgabensystem gegeben, die ab 2016 gelten.
Die DGV-Stammvorgaben und Clubvorgaben sind abgeschafft. In der EGA-Vorgabenklasse 5 (-26,4 und höher) gibt es keine Heraufsetzung mehr.
Auch das CBA entfällt. Die EGA-Vorgabe 54 muss erspielt werden. Das EDS-Angebot wird ausgeweitet. Nun kann auch auswärts gespielt werden und Zähler bis Vorgabe 54 werden anerkannt.
Der Vorgabenstatus "aktiv" entfällt. Die jährliche Anpassung der Vorgabe soll weiterhin bestehen, aber der Vorgabenausschuss ist gefordert. Die Anpassung wird durch den Computer im Einzelfall vorgeschlagen, die Entscheidungshoheit hat der Vorgabenausschuss.
In Top 5 erläutert Erhard Wetterich zunächst wichtige Regeländerungen.
Regel 3/3 Regelball: Neu sei, dass der Spieler vorher ankündigen soll, welcher Ball gelten soll, falls beide regelkonform waren. Im Zweifel, wenn nichts angekündigt ist und beide konform sind, zählt der ursprüngliche Ball. Es muss in jedem Fall nachher der Spielleitung angezeigt werden, dass ein Regelball gespielt wurde, auch wenn beide Bälle den gleichen Score ergeben. Strafe ansonsten: Disqualifikation.
Regel 6/6: War dem Spieler nicht bewusst, dass er einen falschen Score notiert hat, erfolgt nicht mehr automatisch eine Disqualifikation.
Regel 14/3 Entfernungsmessgeräte: Grundsätzlich soll weiterhin das menschliche Können entscheidend sein, nicht technische Hilfsmittel. Neu ist, dass nun auch die Nutzung von Geräten gestattet werden kann, die mehr technischen Möglichkeiten haben als nur die reine Messung der Entfernung. Die zusätzlichen Funktionen dürfen weiterhin aber nicht genutzt werden.
Regel 18/2b wurde komplett gestrichen. Jetzt gibt es nur noch Strafe, wenn der Spieler die Bewegung des Balls verursacht hat, egal ob er diesen angesprochen hat oder nicht.
Zu Top 5 wünscht sich der GC Siegen-Olpe Hilfe bei der Kontrolle der Spielgeschwindigkeiten. Dazu Erhard Wetterich: "Die Spielleitung ist jeweils gefordert, Lücken im Spiel zu schließen." Bewährt hat sich, auf den Scorekarten für jede Bahn Durchgangszeiten aufzudrucken. Diese müssten aber realistisch sein.
Sowohl Erhard Wetterich wie auch auch Hans-Georg Blümer bedanken sich zum Abschluss der Tagung für das Interesse der Clubs.
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