Frohnleiten/Österreich - Das Abschluss-Leaderboard der Damen-EM in Österreich zeigt aus Deutscher Sicht ein erfreuliches Bild. Zweimal steht Schwarz-Rot-Gold in der Top 10. Dies hat neben Deutschland nur noch Spanien erreicht, wobei die große Golfnation aus Südeuropa den Titel mit nach Hause nimmt.
Eine großartig organisierte Europameisterschaft der Damen ist im GC Murhof vor den Toren von Graz zu Ende gegangen. Den Titel sicherte sich verdient Maria Parra Luque aus Spanien, die als einzige Spielerin an allen Tagen unter 70 Schlägen brauchte und sich am Ende mit -15 die Krone aufsetzen durfte. Silber ging nach Indien. Aditi Ashok konnte in der Finalrunde nur eine 71 unterschreiben und musste mit -13 die Führung noch abgeben. Bronze gewann Mathilda Castren aus Finnland, die weitere zwei Schläge Rückstand hatte.
Schon auf Platz 4 steht der erste Deutsche Name. Geteilte Vierte wurde Sophie Hausmann. Die Athletin des Düsseldorfer GC spielte eine ganz starke EM, brachte Runden von 69, 68, 71 und 71 Schlägen nach Hause und war damit während der gesamten Meisterschaft vorne mit dran. Bundestrainer Stephan Morales war von der Spielerin aus NRW begeistert: "Sophie hat mich restlos überzeugt. Ihr Auftreten und die Leistung hier waren sehr gut und ich werde Sophie jetzt im Blick behalten." Die Westfälin, die in der KRAMSKI Deutsche Golf Liga für den Bundesligisten DGC spielt, war solide in die EM gestartet und hatte in Runde 1 satte 15 Grüns getroffen. Zudem war sie ohne Dreiputt über die 18 anspruchsvollen Bahnen gekommen und durfte sich deshalb über eine 69 (-3) freuen.
Angesichts der so geschaffenen Ausgangslage, in der Top 10 zu stehen, wurde Hausmann etwas nervös und fing sich zu Beginn von Runde zwei gleich zwei Bogeys, ehe sie mit Birdies auf den Bahnen 8 und 12 besser zu ihrem Spiel fand. "Diese Birdies haben geholfen, um etwas sicherer zu werden. Und dann lief es plötzlich richtig gut", beschrieb Sophie Hausmann eine fabelhafte Backnine, wo sie die Bälle tot an den Stock legen oder auch längere Putts lochen konnte. Einen Ball chippte sie sogar ein. Am Ende stand eine 68 (-4) und damit tauchte die Spielerin, die in den Kadern des Golfverbandes NRW gefördert wurde, an der Spitze des Leaderboards auf, als in der Steiermark ein Unwetter die Spielleitung zur Unterbrechung zwang.
In der Bergwelt vor den Toren von Graz wirkten die Gewitter umso bedrohlicher, auch wenn es auf dem Platz des GC Murhof selber verhältnismäßig friedlich blieb. Nach mehr als dreistündiger Gewitterpause ging die zweite Hälfte des Feldes raus, schaffte es aber nicht mehr ganz, die Runde zu beenden. Leidtragende davon war Laura Fünfstück, die dadurch am dritten Tag morgens um 7.00 Uhr erst ihre zweite Runde beenden musste und dann ab 15.00 Uhr auf Runde 3 geschickt wurde.
Nachdem alle Spielerinnen drin waren, stand Sophie Hausmann auf Platz 5. Ihre dritte Runde verlief recht bunt, aber letztlich doch sehr erfreulich. Wieder war das lange Spiel solide und von der Nervosität war nichts mehr zu sehen. Ganz im Gegenteil: Früh fielen die ersten Birdies und so lag Hausmann wieder auf Kurs "unter 70", ehe drei Bogeys auf der Backnine noch den Score auf 71 klettern ließen. Zwei Dreiputts und ein vergebenes Up-and-Down auf den letzten sieben Bahnen waren bei sechs Birdies aber immer noch gut genug, um den Platz in der Top 10 zu behaupten.
Am Finaltag brachte sich Sophie Hausmann auf der Frontnine um die Chance, noch ganz vorne mit anzugreifen, als sie auf Bahn 3 den Bunkerschlag zwar auf drei Meter an den Stock legte, dann aber noch einen Dreiputt produzierte und so ein Doppelbogey auf die Karte rutschte. Mit +1 kreuzte die Deutsche auf die Backnine und spielte sich dann nervenstark noch runter, so dass sie an allen Tagen unter Par geblieben war. "Ich bin super glücklich. Mit dem vierten Platz hätte ich echt nicht gerechnet", freute sich Sophie Hausmann, nachdem die Top-Platzierung feststand. Kurz bevor Hausmann in die USA fliegt, um dort am College zu studieren und gleichzeitig weiter an ihrer Golf-Karriere zu arbeiten, war diese Europameisterschaft ein gelungener Turnierabschluss.
Hinter Sophie Hausmann war Laura Fünfstück aus dem National Team Germany die beste Deutsche. Die Hessin belegte nach vier Runden unter Par einen gute 8. Platz.
Als dritte Deutsche im Cut hat Chiara Mertens im Endklassement Rang 29 belegt. An den beiden ersten Tagen blieb die Hubbelratherin unter 70 und kam jeweils mit nur einem Bogey über diesen schwierig zu spielenden Platz. Erstes Highlight im Spiel der Düsseldorferin war ein Eagle auf Bahn 7, als sie nach einem sehr guten Abschlag noch 166 Meter bis zur Fahne hatte und mit einem Eisen 4 einlochte. Nach Tag 1, wie auch nach Tag 2 wurde die Spielerin des Junior Team Germany auf Platz 6 im Klassement geführt.
Am dritten Tag kassierte Mertens vier Bogeys und ein Doppelbogey, so dass sie eine 76 unterschreiben musste und auf Platz 20 zurückfiel. Auch am Finaltag konnte die 18-Jährige, die vor drei Wochen in Dänemark bei der IAM in Silkeborg den Titel gewonnen hatte, keinen Boden mehr gut machen, unterschrieb eine 73 (+1) und landet mit gesamt -1 auf Platz 29.
Die übrigen Deutschen haben den Cut verpasst, wobei Bundestrainer Stephan Morales auch da bei einigen Spielerinnen nicht wirklich enttäuscht war, denn Fiona Liddell war zum Beispiel nach einer mehr als anstrengenden Scotisch Girls als Siegerin angereist und war offensichtlich nach diesen Sieg, bei dem sie täglich 36 Loch im Wind Schottlands gegangen war, mental und physisch an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt. Nach einem Titel sofort wieder zu spielen, ist schon bei ganz großen Namen oft genug mit einen MC ausgegangen.
Stephan Morales war nach dieser EM sehr aufgeräumt und hatte viele positive Dinge erlebt: "Die Organisation dieser EM war von der Österreichern hyperperfekt gemacht. Großen Respekt dafür! Der Platz ist grandios. Mit derart ondulierten Grüns kommen manche Spielerinnen nicht zurecht. Entweder sowas liegt einem oder eben nicht." Morales war schon früher am Murhof gewesen, unter anderem hatte er dort mit Caroline Masson und Valerie Sternebeck eine European Young Master gespielt.
Ein ganz besonders dickes Lob hatte der Bundestrainer für das gesamte Team: "Das ist ungemein angenehm, mit diesem Team hier spielen zu dürfen. Ich bin aufgrund der vielfältigen anderen Aufgaben ja erst nach der zweiten Proberunde angereist. Aber auf Michael Terwort und Anna Wallmen-Krass ist zu mehr als 100 Prozent Verlass. Die beiden haben alles super im Griff und sind ein ganz tolles Betreuerteam!"
So ging eine Damen-Europameisterschaft in toller Kulisse aus Deutscher Sicht harmonisch zu Ende.
stebl´
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