Mettmann - Die Tagung der Jugendwarte am 4. März im Wyndham Hotel in Mettmann war mit über 70 Teilnehmern wieder sehr gut besucht. Der Austausch der Clubs mit dem Verband fand sehr konstruktiv auf gewohnt hohem, fachlichen Niveau statt.
Jürgen-Peter Kretschmer, vielen im Land sicher unter „JP“ bestens bekannt, hat von Jens Hausmann die Leitung des Ausschuss Spitzensport übernommen und begrüßte in dieser Funktion die Jugendwarte und -trainer herzlich. „Vom GC Siegen-Olpe über die Landeskader bis zum Bundeskader hat mich der Weg als Golfer geführt. Heute noch spiele ich für den Marienburger GC in der Deutschen Golf Liga“, stellte JP Kretschmer sich kurz vor.
Die Grundphilosophie des Golfverbandes NRW sei, die langfristige Athletenentwicklung in den Vordergrund zu stellen. Auch die Vereinbarkeit von Schule und Spitzensport sei dabei immer im Blick, so das Mitglied des Sportgremiums.
Hans-Georg Blümer, Sportkoordinator des GV NRW erklärte kurz das Motto dieser Jugendwartetagung: Nicht Ausreden helfen, sondern anzupacken und zu machen. Sollte, hätte, könnte, würde.... bedeutet nichts. Machen, mit einem Ausrufezeichen versehen, bringt alle Beteiligten weiter.
Rückblick
Der Rückblick 2017 fällt positiv aus, auch wenn durchaus noch Potenzial zu weiteren Steigerungen in einzelnen Bereichen möglich ist.
Auffällig sind die vielen Top-Platzierungen von Athleten aus NRW bei den Deutschen Jugendmeisterschaften, während bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften die Erfolge noch überschaubar sind. Im Vergleich zu anderen Landesverbänden sind die Ergebnisse von Athleten aus NRW überdurchschnittlich gut, auch wenn man diese in Beziehung zur Mitgliederzahl der Verbände setzt. Deutlich erkennbar ist zudem, dass es einen sehr positiven Trend zu gute Platzierungen gibt. Der Dank von Hans-Georg Blümer geht sowohl an die Landestrainerin Alexander Bönnen, wie auch ganz besonders an die Clubs: „Die meiste Arbeit wird in den Clubs geleistet. Herzlichen Dank!“
Der Blick auf die nachhaltige und langfristige Entwicklung, die bei der Förderung in NRW im Mittelpunkt steht, lässt sich auch an den Mitgliedern des Elite Team Germany ablesen. Der designierte Olympia-Kader Deutschlands für die Sommerspiele 2020 in Tokio besteht ausschließlich aus Athleten, die in NRW gefördert wurden. „Langfristiger kann man nicht arbeiten,“ so Hans-Georg Blümer.
In den Kadern des GV NRW werden derzeit insgesamt 134 Jugendliche gefördert. Auf Bundesebene sind 20 Athleten aus NRW in den Kadern das Deutschen Golf Verbands vertreten.
Vorschau
Hans-Georg Blümer ging in der Vorschau auf die Wettspielsaison 2018 kurz auf die Einzelwettspielserien für Jugendliche und die Qualifikationsturniere ein, die Jugendliche zu den Deutschen Meisterschaften bringen.
Der große Vorzug des Talent-Cups ist, dass Schulgolfgruppen sofort in den Wettkampfbetrieb eines Clubs integriert werden können. „Auch die Kinder, die noch nicht auf dem Platz spielen dürfen, sind bei der Teilnahme am Athletikteil wertvoll für das Team. Der Aufwand für die Clubs ist geringer als früher, weil die Vorrunde in das Jugendtraining integriert werden kann, so dass keine Fahrten anfallen, wie dies früher beim Mini-Cup der Fall war“, so der Sportkoordinator.
Auffällig beim Talent-Cup und auch beim Kids-Cup sei, mit wieviel Spaß die Kinder bei der Sache sind: „Die Kids mit Feuer und Flamme dabei, auch beim Athletik-Teil.“
Der Kids-Cup ist in jedes Jugendturnier integrierbar.
Im Plenum wird die Frage des Deltas zwischen Meldung zum Talent-Cup (680) und der Teilnehmerzahl (280) diskutiert. Als Grund wird unter anderen die fehlende Sensibilisierung einiger Trainer ausgemacht, dass motorische Grundfertigkeiten Basis für spätere sportliche Entwicklung sind. Die Meldung der Kinder am Anfang des Jahres erfolgt meist durch den Jugendwart, während im Training der Clubs später manchmal vergessen wird, die Übungen einzubauen. Als gute Möglichkeit, wird eine Unterstützung des Pros durch einen C-Trainer dargestellt.
Tee-Off-Geschenke vom GV NRW wird es nicht mehr in ersten Runde geben, sondern erst in den Regionalfinals und dem NRW-Finale.
Girls Go Golf
Noch immer sind Mädchen in den Jugendgruppen zahlenmäßig klar in der Minderheit. Landestrainerin Alexandra Bönnen hat sich mit dem Projekt „Girls Go Golf“ auf die Fahne geschrieben, mehr Mädchen mit Spaß bei der Sache zu halten.
Die Erhebung des Status Quo hat einige Gründe aufgezeigt, die dazu führen, dass Mädchen oft die Golfschläger wieder in die Ecke stellen. Hier wird angesetzt, speziell auf die Wünsche und Bedürfnisse der Mädchen ausgerichtete Trainingsgruppen aufzustellen, in denen der weibliche Nachwuchs gezielt gefördert wird.
Mitunter treffen die beteiligten Trainer des GV NRW aber auf Probleme, die eine Förderung erschweren. Bönnen führt dazu aus: „Die Clubtrainer müssen motiviert und mehr eingebunden werden, damit diese nicht die Spieler in einen Zwiespalt bringen, entweder bei ihm im Club zu trainieren oder aber an Trainings anderer Trainer in Verbandsprojekten teilzunehmen.“
Hans-Georg Blümer bezieht dazu klar Stellung: „Wenn ein Pro seine Spieler so unter Druck setzt, sollte dessen Einsatz im Jugendtraining überdacht werden, denn Landestrainings ersetzen nicht das Clubtraining. Es ist nur ein Zusatzangebot für die jungen Athleten.“
Das Ziel von Girls go Golf ist, Mädchen langfristig für den Golfsport zu begeistern. Aus den gewonnenen Erkenntnissen resultiert ein regelmäßiges Training von Mädchen in vier Fördergruppen. Diese wurden von 38 ausgewählten Mädchen begeistert besucht, die in ihren Heimatclubs keine reine Mädchengruppen vorfinden. So besteht Anlass zur Hoffnung, dass der Mädchenbereich in NRW mittel- und langfristig wieder stärker wird. Neben Landestrainerin Alexandra Bönnen sind Lara Lehnstaedt und David Hahn als Trainer in dieses Projekt eingebunden.
Da es regional starke Unterschiede im Land gibt, wurde NRW in zwei Regionen aufgeteilt, um das Projekt gezielter zu erweitern. Im Norden soll in sieben Workshops die Basis für die Mädchen weiter verbreitert werden. Im Süden wird alle zwei Wochen ein Training angeboten und zudem ein Workshop abgehalten.
Im Plenum wird diskutiert, ob die Einstiegshürde bei der DMM für Mädchen zu hoch sei. Gegenargument ist, dass in der Jugendliga alle mitspielen können und ein Anreiz gesetzt werden soll, besser zu werden. Der Qualitätsanspruch des Verbandes ist hoch und es zählt eben nicht nur die Quantität an Teilnehmern. Dem wird aus dem Plenum entgegen gehalten, dass auch für Athleten mit noch nicht so niedrigem Handicap eine Sogwirkung erzielt werden kann, wenn diese bei einer DMM mitspielen dürfen, weil sie dort auf stärkere Konkurrenten treffen und sehen, wohin Trainingsfleiss führen kann.
Life Long Learning
Alexandra Bönnen stellt die Jugendförderung in NRW vor. Unter dem Oberbegriff „Life Long Learning“ wird verstanden, in den Kadern Persönlichkeiten zu entwickeln, die für den Leistungssport geeignet sind. Dies umfasst eine individuelle Förderung und die Persönlichkeitsentwicklung.
Basis für alles ist die Clubebene. Darauf aufbauend gibt es Förderkader, Entwicklungskader und den Landeskader. An sechs Stützpunkten im Land wird trainiert, das Landesleistungszentrum ist im Kölner GC beheimatet.
Der Weg in die Kader geht vor allem über die Empfehlung der Heimtrainer. Aber auch auf Clubempfehlung oder durch positives Auftreten bei Wettkämpfen oder Veranstaltungen ist es möglich, in die Förderung des GV NRW zu kommen. Zudem werden auch die klassischen Listen mit Ergebnissen im Blick behalten. Neu ab 2017 ist eine zentrale Sichtung von möglichen Kandidaten.
Die Landestrainerin erläutert die Einflussfaktoren, die für die Entwicklung junger Athleten von überragender Bedeutung sind. Diese sind im Verein, im Umfeld, in der Schule und im GV NRW verortet. Anhand des Bildes eines Boxenstops in der Formel 1 wird klar, dass alle Beteiligten gut abgestimmt miteinander arbeiten müssen, damit das Werk gelingen kann.
Das Kompetenzprofil, das aus technischen Komponenten, der Athletik, der Persönlichkeit und der mentalen und taktischen Aufstellung besteht, erklärt die wichtigsten Faktoren, die erfüllt sein sollten, um langfristig Leistungssport auf höchstem Niveau betreiben zu können.
Durch diese Aufstellung soll festgestellt werden, wo der Athlet seine Stärken hat und woran noch besonders zu arbeiten ist. Zielvereinbarungen werden für ein Jahr entwickelt. Hieraus wiederum entsteht im Optimalfall ein Trainingsplan, wobei der Aufwand, diesen zu erstellen beachtlich ist und nicht vom Heimtrainer erwartet werden kann, für jeden Spieler gemacht zu werden.
Berücksichtigt werde sollen die Spielanlagen. In anderen Sportarten ist es völlig normal, Spieler nach deren individuellen Stärken zu benennen. Im Tennis gibt es zum Beispiel „Serve and volley“-Typen, im Fußball Stürmer und Verteidiger. Für eine Mannschaft ist es immer gut, unterschiedliche Typen dabei zu haben. Dies gilt auch im Golfsport.
„Die Entwicklung je nach Typ kann für alle Athleten gemacht werden. Das geht auch in der Breite, nicht nur an der Spitze“, ist Hans-Georg Blümer überzeugt, dass diesem Aspekt Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Die Jugendförderung in NRW geht von Fertigkeiten und Fähigkeiten aus. Dadurch sollen Kompetenzen und Spielanlagen ausgebildet werden.
Jugendarbeit im Club
Die Jugendarbeit im Club ist weiterhin alles entscheidend für spätere sportliche Erfolge. Der GV NRW bietet daher an, die Clubs zu beraten und zu betreuen.
So kann sehr gezielt auf die lokalen Bedürfnisse und Gegebenheiten eingegangen werden. Mitunter gelingt es so, eine Jugendarbeit in einem Club auf ganz neue Beine zu stellen oder an bestimmten Punkten so zu verbessern, dass es für die Jugendlichen gut ist und auf den Club passend abgestimmt werden kann.
Für diese Beratung und Betreuung der Clubs in Sachen Jugendarbeit steht Landestrainerin Alexandra Bönnen zur Verfügung. Am Anfang steht immer ein Informationsgespräch, auf das ein Analyse- und Strukturgespräch folgen kann. Im konstruktiven Dialog entsteht so eine schlüssige Vereinsentwicklungsberatung.
Auf die Frage aus dem Plenum, ob es für das Jugendtraining Konzepte gibt, die dem Pro an die Hand gegeben werden können, wird auf das Handbuch für Jugendarbeit verwiesen, das der Deutsche Golf Verband herausgibt.
Es wird angeregt, lokal Pressearbeit zu betreiben. Oftmals ist das Interesse bei lokalen Redaktionen am Golfsport viel größer als erwartet, wenn man die Redaktionen offen anspricht und einen soliden Kontakt aufbaut. Je mehr in der lokalen Presse über den Golfsport erscheint, desto größer ist auch das Interesse bei Jugendlichen, den Golfsport auszuprobieren.
Der GV NRW wird ab 2018 alle Wettspiele über das neue Programm von Club in One abwickeln. Dies erleichtert die Arbeit in den Clubsekretariaten enorm und bietet viele Informationen für Interessenten an den Wettspielen.








