Bad Saarow – Der Jugend-Länderpokal wurde 2026 erneut auf der Anlage des GC Bad Saarow am Scharmützelsee ausgetragen. Wie im Vorjahr spielten die Mädchen auf dem Palmer Course, während die Jungen auf dem Faldo Course gefordert waren. Beide Plätze präsentierten sich als perfekte Bühne für einen Wettbewerb, der traditionell von Teamgeist, Spannung und engen Entscheidungen lebt. In dieser Auflage schrieb das Turnier noch einmal eine ganz besondere Geschichte.
Für den Golfverband Nordrhein-Westfalen gingen bei den Mädchen Constanza Besser, Luisa Hartmann, Michelle Loe, Lucy Mullen, Amelie Schmelcher, Julia Swoboda, Jinlei Zhong und Julia Zimmermann an den Start. Bei den Jungen traten Julian Eck, Felix Jörgens, Max Kohler, Anton Manderscheid, Ben Meyer, Max Saunders, Lauro Vassiliadis und Max Vester für NRW an.
Schon am Freitag wurde deutlich, dass diese drei Tage außergewöhnlich werden würden. Die Zählspielqualifikation begann unter großer Hitze, ehe Gewitter für eine lange Unterbrechung sorgten. Auch an den folgenden Wettkampftagen musste der Spielbetrieb wegen Gewitters gestoppt werden. Die Spielleitung, die Teams und alle Beteiligten waren dadurch immer wieder gefordert, flexibel zu bleiben, die Athleten neu aufzuwärmen, den Fokus hochzuhalten und unter Druck sofort wieder leistungsbereit zu sein.
Längster Wettkampftag
Besonders eindrucksvoll zeigte sich dies am ersten Wettkampftag. Noch nie wurde beim Jugend-Länderpokal länger gespielt. Der letzte Putt der Zählspielqualifikation der Jungen fiel auf dem Faldo Course erst um 22.07 Uhr. Damit endete ein Tag, der den Athleten nicht nur sportlich, sondern auch mental und körperlich alles abverlangte. Hitze, Warten, erneutes Aufwärmen, späte Startzeiten und das Spiel bis in die letzten Lichtverhältnisse hinein machten diese Zählspielqualifikation zu einer besonderen Prüfung.
„Das waren lange, lange, lange, lange Tage“, brachte es David Hahn, Coach der Jungen aus Nordrhein-Westfalen, auf den Punkt. Für die Spieler bedeutete dies, über viele Stunden hinweg immer wieder zwischen Anspannung und Pause, zwischen Wettkampfmodus und Geduld wechseln zu müssen. Auf dem Faldo Course, der die Jungen mit seinen Anforderungen an Präzision, Strategie und Schlagqualität forderte, wurde diese Aufgabe zusätzlich verschärft. Hahn sah darin trotz der sportlich nicht ganz erfüllten Hoffnungen auch einen Wert: Solche Plätze und solche Bedingungen lieferten Erkenntnisse, an denen in den kommenden Wochen und Monaten weitergearbeitet werden könne.
Matchplay
Nach der Qualifikation ging es in den Matchplays weiter. Dort zeigte sich einmal mehr, warum dieser Modus den Jugend-Länderpokal so besonders macht. Plötzlich zählten nicht mehr Gesamtschläge, sondern direkte Duelle. Momentum, Nervenstärke und der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaften wurden zu entscheidenden Faktoren. Jeder gewonnene Punkt konnte den Unterschied machen, jeder Putt hatte Gewicht.
Dazu kam die ganz eigene Energie dieses Wettbewerbs: Die Teams lebten miteinander, fieberten miteinander und mussten zugleich akzeptieren, dass sich im Lochspiel manche Entscheidung innerhalb weniger Minuten drehen kann. Gerade bei dieser Ausgabe mit ihren langen Unterbrechungen, der Hitze und dem Spiel bis tief in die Dämmerung hinein wurde deutlich, wie anspruchsvoll dieser Wettbewerb nicht nur golferisch, sondern auch mental ist.
Mädchen gewinnen Zählspielqualifikation
Die Mädchen aus Nordrhein-Westfalen fanden hervorragend in das Turnier. In der Zählspielqualifikation setzte sich das Team mit gesamt +10 an die Spitze. Dahinter folgten Baden-Württemberg (+15), Bayern (+21) und Niedersachsen-Bremen (+34). Damit hatte NRW früh gezeigt, dass mit dieser Mannschaft im Kampf um den Titel zu rechnen war.
Auch in der Gruppenphase bestätigten die Spielerinnen diese starke Form. Neun von zehn möglichen Punkten gingen an Nordrhein-Westfalen. Mit drei Spielerinnen, die erstmals beim Länderpokal dabei waren, spielte das Team von Beginn an schon sehr stabil und reif. Die Mannschaft wirkte geschlossen, nahm die schwierigen Bedingungen an und zog verdient ins Finale ein.
Für Landestrainerin Alexandra Schleining war dieser Auftritt ein deutliches Zeichen für die Qualität der Mannschaft.
Finale gegen Baden-Württemberg
Im Endspiel wartete Baden-Württemberg. Die Mannschaft des BWGV, komplett vom GC St. Leon-Rot gestellt, hatte sich über mehrere Tage sehr bewusst auf diesen Moment vorbereitet und war ebenfalls mit viel Teamenergie durch die langen Wettkampftage gekommen.
Das Finale wurde wegen der Gewitterprognosen verkürzt. Statt drei Vierern und sechs Einzeln wurden ein Vierer und vier Einzel gespielt. Auch am Sonntag gab es noch einmal eine Unterbrechung. Für beide Teams bedeutete dies erneut: warten, fokussiert bleiben, den Körper neu aktivieren und dann sofort wieder unter Wettkampfdruck Leistung bringen.
Baden-Württemberg erwischte im Finale den besseren Lauf und spielte nahezu fehlerfrei. Der Vierer ging mit 4&2 an BaWü. Zwei Einzel gingen mit 2&1 und 3&2 an die Süddeutschen. Damit waren die drei nötigen Punkte früh vergeben. Die beiden weiteren Matches lagen nach 16 Löchern gleichauf, wurden vom Sieger aber gegeben. Baden-Württemberg gewann das Finale gegen Nordrhein-Westfalen mit 3:2 und holte den Titel bei den Mädchen.
Silber
Für NRW blieb Silber und die Anerkennung für ein starkes Turnier. Alexandra Schleining sah die Finalniederlage nicht als Rückschlag, sondern als wertvolle Erfahrung. Baden-Württemberg habe im Finale fast fehlerfrei gespielt, während ihr Team nicht ganz ans Limit gekommen sei. „Das sehe ich nicht als negativ an“, sagte Schleining.
Diese Einordnung passte zu einem Turnier, in dem Nordrhein-Westfalen über weite Strecken zu den prägenden Mannschaften der Mädchenkonkurrenz gehörte. Die Zählspielqualifikation gewonnen, in der Gruppenphase dominiert, das Finale erreicht: Der zweite Platz war nicht nur eine Medaille, sondern auch ein deutliches Zeichen für die Qualität und Perspektive dieses Teams.
Gerade weil drei Spielerinnen erstmals beim Länderpokal dabei waren, hatte dieser Auftritt besonderen Wert. Der Jugend-Länderpokal ist ein Wettbewerb, in dem Talent alleine nicht reicht. Es braucht Geduld, Teamgeist, Energie-Management, Lochspielstärke und die Fähigkeit, nach Unterbrechungen sofort wieder präsent zu sein. Die NRW-Mädchen bewiesen über drei Tage hinweg, dass sie genau diese Eigenschaften mitbringen.
Jungen auf Platz sechs
Bei den Jungen verlief der Wettbewerb für das Team des Golfverbandes Nordrhein-Westfalen nicht ganz so, wie erhofft. Schon die Zählspielqualifikation brachte nicht die gewünschte Ausgangsposition. Dazu kam, dass ein AK-18-Spieler vor Ort erkrankte und nur einmal eingesetzt werden konnte. Die Mannschaft musste den extrem kräftezehrenden Wettbewerb dadurch praktisch mit sieben Spielern bestreiten.
Trotzdem zeigte NRW im Matchplay, dass in diesem Team Potenzial steckt. Im ersten Duell gegen den späteren Sieger Bayern konnten die Jungen den Favoriten ärgern, mussten sich aber knapp geschlagen geben. Anschließend gewann Nordrhein-Westfalen gegen Niedersachsen-Bremen. Am Finaltag ging es im Match um Platz fünf gegen Hessen. Dort fiel die Entscheidung erst im Stechen. Wieder lief eine enge Situation gegen NRW. Am Ende stand Platz sechs.
Alexandra Schleining ordnete auch diesen Teil des Turniers sachlich ein. Die Platzierung sei nicht das, was man sich erhofft habe. Gleichzeitig sei Potenzial vorhanden, allerdings müsse man aufholen und dürfe diese Entwicklung nicht verschlafen.
Erkenntnisse für die nächsten Monate
Auch David Hahn zog aus den langen Tagen von Bad Saarow viele wichtige Erkenntnisse. Gerade aus Trainersicht sei es wertvoll, die Spieler so viel auf dem Platz zu sehen. Daraus lasse sich ableiten, woran in den nächsten Wochen und Monaten gearbeitet werden müsse.
Der Faldo Course stellte die Jungen vor anspruchsvolle Aufgaben. Er forderte präzise Entscheidungen, klare Strategien und eine hohe Qualität in der Ausführung. Hahn betonte, dass solche Plätze für die Entwicklung der Spieler wichtig seien, weil sie dort viel mitnehmen könnten. Genau dies war bei diesem Jugend-Länderpokal besonders sichtbar: Nicht jedes Ergebnis fiel so aus, wie es sich das Team gewünscht hatte, aber die Woche lieferte viele Hinweise, welche nächsten Schritte sportlich notwendig sind.
Auch das Matchplay-Format machte den Wettbewerb besonders. Es wird im Jugendbereich vergleichsweise selten gespielt, bekommt im Team aber eine ganz eigene Dynamik. Jeder Punkt zählt, jede Partie kann kippen, und die Atmosphäre auf dem Platz ist kaum mit einem normalen Zählspielturnier zu vergleichen. Für die NRW-Jungen war Bad Saarow damit ein intensiver, fordernder und lehrreicher Wettbewerb.












