Rio de Janeiro/Brasilien - Es war die mit Spannung erwartete Rückkehr des Golfsports in die Familie der Olympioniken, bei der drei von vier Deutschen aus Nordrhein-Westfalen kamen. In Rio de Janeiro traten mit Martin Kaymer, Sandra Gal und Caroline Masson drei Athleten an, die auch in den Kadern des Golfverbandes NRW gefördert wurden. Komplettiert wurde das deutsche Olympia-Team durch Alex Cejka.
Vor allem der Auftritt des ehemaligen Weltranglistenersten Martin Kaymer hat dem Golfsport in Deutschland gut getan. Wie euphorisch und authentisch der Rheinländer seine Begeisterung über die Rückkehr des Golfsports in den Kanon der Olympischen Spiele transportierte, hat ihm viele Sympathien und großen Respekt bei anderen Sportlern und den Medien eingetragen. Auch wenn Kaymer am Ende nicht um die Medaillen mitspielen konnte, wurde er vom deutschen Olympia-Team zum "Hero de Janeiro" ernannt. Wegen seiner Auftritte und vor allem, weil er in der Finalrunde noch einmal die letzten Körner mobilisiert hatte, obwohl er aussichtslos hinter den Medaillenplätzen zurück lag.
Es wäre gut, wenn der deutsche Golfsport das gerade so schön heiße Eisen, Golf als ganz normale Sportart in den Medien zu halten, weiter schmieden würde. Eine bessere und zudem günstigere Imagekampagne kann es für den Golfsport nicht geben.
Auch die Auftritte von Sandra Gal und Caroline Masson waren sehr positiv und haben sicher auch dazu beigetragen, dass der Golfsport insgesamt so gut in der medialen Öffentlichkeit angekommen ist. Allerdings war der Medienhype bei den Damen doch etwas geringer und stand damit im Schatten der Euphorie, die vor den ersten Turnierschlägen und auch noch an den ersten Turniertagen bei den Herren herrschte.
Sportlich gesehen muss man vor den Ergebnissen der Deutschen den Hut ziehen. Es hat zwar nicht für den Sprung auf das Siegertreppchen gereicht, aber alle haben überzeugende Leistungen abgeliefert. Martin Kaymer und Alex Cejka beendeten das erste olympische Golfturnier seit 112 Jahren in den Top-25. Beim Sieg des Briten Justin Rose (268/-16 Schläge) verbesserten sich beide mit guten Finalrunden um einige Plätze. Kaymer kam nach Runden von 69, 72, 72 und 66 Schlägen (279/-5) auf Rang 15. Alex Cejka belegte nach Runden von 67, 71, 74 und 69 Schlägen (281/-3) Platz 21. Silber ging an den Schweden Henrik Stenson (270/-14), Bronze gewinnt Matt Kuchar (271/-13) aus den USA. "Damit ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Eine Medaille war ein Ziel aber Gold ist einfach unglaublich", sagte Rose nach seinem historischen Triumph auf dem Olympic Golf Course in Rio de Janeiro. In einem Duell mit Stenson fiel die Entscheidung erst auf der allerletzten Bahn. Die Kontrahenten gingen am Finaltag schlaggleich auf das 18. Tee, doch dank eines starken Pitches aus 35 Metern und dem folgen Birdie sicherte sich der Brite die Goldmedaille.
Nach einem guten Auftakt waren die beiden deutschen Spieler in den Runden zwei und drei zurückgefallen. So gingen beide ohne realistische Medaillenchancen in die Finalrunde. Für Kaymer und Cejka waren die Grüns in dieser olympischen Woche schwer, zu beherrschen: "Das kurze Spiel war heute nicht gut, aber okay. Wenn man aber mit einem nicht so guten Putter fünf unter Par spielt, dann reflektiert das ein bisschen deine Schlagqualität", fasste Kaymer seine Schlussrunde zusammen.
Trotz verpasster Medaillen bleiben einzigartige Eindrücke von den Olympischen Spielen. "Es hat schon Spaß gemacht, nachmittags andere Sportarten zu sehen. Was ich in den letzten vier, fünf Tagen gesehen habe, das vergisst man nicht", nimmt Alex Cejka viel Positives aus Rio mit. Auch für Kaymer war das erste olympische Golfturnier ein einzigartiges Erlebnis: "Ich freue mich jetzt schon auf Japan, denn es war nicht nur als Sportler eine tolle Erfahrung, sondern auch als Mensch. Das war alles sehr beeindruckend."
Topstars sichern sich Medaillen bei den Damen
Während bei den Herren etliche Spieler aus der Top 20 der Weltelite aus mehr oder weniger nachvollziehbaren Gründen ihre Teilnahme an den Spielen von Rio abgesagt hatten und damit dem Golfsport einen Bärendienst erwiesen, war bei den Damen die absolute Weltelite vollzählig am Start.
Inbee Park ist bei den ersten Spielen nach der Rückkehr in die olympische Familie die große Gewinnerin. Die Koreanerin dominiert das Feld und gewann mit 268 Schlägen (-16) vor der Weltranglisten-Ersten Lydia Ko. Die Neuseeländerin hatte wie gewohnt eher verhalten begonnen, danach aber mächtig aufgedreht und mit 273 Schlägen noch Silber gewonnen. Shanshan Feng (China/274 Schläge) komplettierte das Damen-Podium. "Dieser Sieg fühlt sich so unwirklich an. Ich habe schon viele Turniere gewonnen, aber keiner von ihnen hat sich so angefühlt wie dieser", sagte eine sichtlich überwältigte Inbee Park nach der Siegerehrung am 18. Grün und ordnet den Erfolg bei den Olympischen Spiele über ihren sieben Majortiteln ein.
Die beiden Spielerinnen aus NRW beendeten das Olympia-Comeback in den Top-25. Caroline Masson belegte einen geteilten 21. Rang (282) und Sandra Gal wurde geteilte 25. (283). Auch wenn Sandra Gal und Caro Masson nicht ins Medaillenrennen eingreifen konnten, zeigten sie sich nach guten Finalrunden begeistert vom Erlebnis Olympische Spiele: "Es war eine riesen Erfahrung, im olympischen Dorf zu wohnen, die anderen Athleten zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. Auch wenn es sportlich nicht so lief, wie ich mir das erhofft habe, muss man diese Erfahrung mitnehmen und hoffen, dass man in vier Jahren in Tokio nochmal dabei ist", nimmt Caroline Masson wertvolle Eindrücke aus der Olympiawoche mit.
Caro Masson und Sandra Gal waren am Schlusstag auf dem Olympic Golf Course gemeinsam auf die Runde gegangen, ohne realistische Chancen auf eine Medaille zu haben. Mit zwei 69er-Runden verabschiedeten sich die beiden Spielerinnen des Golf Team Germany mit guten Ergebnissen aus Rio de Janeiro. "Insgesamt bin ich schon zufrieden mit den letzten beiden Tagen. Ich hatte heute Morgen das Ziel, dass ich unter Par bleibe und das hat ganz gut geklappt. Es wäre natürlich viel mehr drin gewesen. Zum einen hatte ich die Verletzung am zweiten Tag und zum anderen war vieles neu für uns in dieser Woche", sagte Gal, die in Runde zwei mit einer Nackenverletzung zu kämpfen hatte und Tagesergebnisse von 71, 74, 69 und 69 Schlägen erzielte. Nach Runden von 69, 69, 75 und 69 Schlägen fiel auch das sportliche Fazit von Masson ähnlich aus: "Ich bin ein bisschen zwiegespalten, aber insgesamt ist das Fazit ganz positiv."
Auch Damen-Bundestrainer Stephan Morales ordnete die Ergebnisse seiner Schützlinge sachlich ein. "Die beiden haben nicht enttäuscht. Sie haben ein ordentliches Turnier gespielt, auch wenn natürlich Kleinigkeiten hätten besser laufen können. Für die ersten Olympischen Spiele haben wir einen ordentlichen Start hingelegt und wir nehmen alle etwas aus diesem Turnier mit. Es war eine tolle Woche und eine tolle Erfahrung", so Morales nach dem letzten Putt des Turniers.
Marcus Neumann, in Rio Teilmannschaftsleiter Golf des deutschen Olympia-Teams, war während der zwei Wochen in Rio völlig euphorisiert. Der Platz sei phantastisch und die Stimmung bestens, so der Vorstand Sport des Deutschen Golf Verbandes, der wie drei der vier Athleten ebenfalls aus NRW kommt.
Auch Claus M. Kobold war während des Herren-Turniers in Rio und zeigte sich beeindruckt. Kurz vor seiner Rückkehr nach Deutschland zog der Präsident des DGV ein positives Fazit: "Martin Kaymer und Alex Cejka haben einen perfekten Job als Botschafter des deutschen Golfs und auch für den Golfsport insgesamt gemacht. Das Turnier ist ein gelungenes Comeback für unsere Sportart bei Olympia. Es sind viele internationale Fans auf der Anlage unterwegs gewesen und auch die Brasilianer näher sich dem Golfsport an."
Nun beginnt eine neue Olympiade und das Ziel für viele Athleten des Golf Team Germany wird Tokio 2020 sein. Ob danach Golf weiter im Programm der Olympischen Spielen bleibt, wird sich weisen müssen. Durch die vielen Absagen der Top-Stars bei den Herren ist der Golfsport beim IOC in kein gutes Licht gerückt worden, zumal vor der Entscheidung, dass Golf wieder olympisch wird, zugesagt worden war, dass die besten Golfer der Welt antreten werden. Da aber so viele Sportler und auch hohe Funktionäre als Zuschauer auf dem Olympic Golf Course gesichtet wurden und durchweg begeistert waren, darf man hoffen, dass die Missachtung der Olympischen Ringe durch Spieth, McIllroy und Co. ohne bittere Folgen für den Golfsport bleibt.
stebl´
<link results.nbcolympics.com/golf/event/women/index.html _blank>ENDSTAND DAMEN</link>
<link results.nbcolympics.com//golf/event/men/phase=gom001104/index.html _blank>ENDSTAND HERREN</link>








