Karuizawa/Japan - Nachdem Deutschland 2012 seine erfolgreichste Weltmeisterschaft überhaupt erlebt hatte, als die Damen Vizeweltmeister wurden und die Herren die erste Medaille bei einer WM gewannen, waren die Welttitelkämpfe 2014 in Japan von der Papierform her nicht so erfolgeich.
Dennoch haben weder die Damen auf Platz 11, noch die Herren auf Platz 12 enttäuscht. Aus Nordrhein-Westfalen waren Max Rottluff und Max Mehles für das Team mit dem Bundesadler auf dem Shirt in Japan am Start. Die beiden Hubbelrather zeigten gemeinsam mit Hurly Long vom Deutschen Mannschaftsmeister Mannheim-Viernheim eine starke Leistung und bewiesen echte Kämpferqualitäten. Die vier Wettkampfrunden hatten einen sehr ähnlichen Verlauf. Vom Start weg legten die Deutschen Birdies und Eagles in Serie vor und erschienen damit mehrfach auf dem Leaderboard ganz weit vorne. Am dritten Tag hatte das Golf Team Germany sogar kurzzeitig die Führung im Gesamtklassement übernommen.
Doch immer wieder gab es danach kleinere Einbrüche, die am Ende dafür sorgten, dass sich andere Mannschaften über die Medaillen freuten. Max Rottluff krönte seine gute Leistung erst am Finaltag mit einer 65, die auch an den anderen Tagen drin gewesen wäre. Da die Putts aber einfach nicht reingehen wollten, unterschrieb der College-Student vorher Runden von 71, 71 und 70. Die 65 war am Ende aber die beste Einzelrunde, die das Deutsche Team in die Wertung brachte.
Max Mehles spielte stabil und fast fehlerfrei. Am Finaltag war er trotz seiner 69 (-3) nicht zufrieden, denn schon nach sieben Bahnen lag der Kölner „drei unter", brachte danach aber keine seiner gefühlt weiteren zehn klaren Birdiechancen unter. Zuvor hatte Mehles mit Runden von 70, 68 und 71 gerechtfertigt, dass Bundestrainer Uli Zilg ihn für den krank ausgefallenen Max Röhrig nachnominiert hatte.
Enorme Wertschätzung
Bei den Damen hatte Bundestrainer Stephan Morales keine Spielerin aus NRW mit nach Japan genommen. Nico Rössler vom GC Hubbelrath war als Reservespielerin gesetzt worden, aber da Olivia Cowan, Antonia Scherer und Laura Fünfstück alle gesundheitlich wohlauf waren, musste die erfahrene Rheinländerin nicht die Strapazen auf sich nehmen, um ins Land der aufgehenden Sonne zu reisen. Rössler verpasst dadurch ein Erlebnis, das für den Golfsport absolut bemerkenswert war.
Die Wertschätzung, die den Sportlern in Japan entgegen gebracht wurde, war enorm. Gerade bei den Damen waren täglich mindestens 40 Fotographen und 15 Kamerateams auf dem Platz. Zudem säumten etliche tausend Zuschauer die Fairways. Natürlich unterstützten die Japaner vor allem die eigenen Teams, aber auch alle anderen Spieler wurden mit sachkundigem und fairem Beifall bedacht. Welchen Stellenwert der Golfsport in Japan hat, wurde am Finaltag der Damen-WM überdeutlich. Mitglieder der kaiserlichen Familie waren tagsüber auf dem Platz und sorgten auch später bei der Siegerehrung für Glanz im Festsaal. Die Verehrung der „Imperial family" drückt sich in Japan auch darin aus, dass niemand ein Foto von den Hoheiten machen darf.
Japan hat ungefähr eineinhalb Mal so viele Einwohner wie Deutschland. Es spielen dort derzeit aber mehr als acht Millionen Menschen Golf. Vor der großen Wirtschaftskrise hatten sogar mehr als 13 Millionen Japaner Golf gespielt. Übertragen auf Deutschland müssten bei uns weit mehr als fünf Millionen Bürger den Schläger schwingen. Davon sind wir wohl vor allem aufgrund des Images weit entfernt. Umso größer müsste bei uns der Anreiz sein, Golf als Sport in den Blickpunkt zu rücken, um alte Bilder, die bei den meisten Menschen in Deutschland mit Golf in Verbindung gebracht werden, auszuradieren.
Wenn Golf schon Jugendlichen als attraktive Sportart näher gebracht wird, kann nachhaltig die Zahl der aktiven Golfer auch in Deutschland deutlich gesteigert werden. Wer bei einer Weltmeisterschaft den Teamspirit, die sportliche Spannung und das trotzdem unendlich faire Miteinander der gegnerischen Teams erlebt, wird alle tradierten Vorurteile über den Golfsport aus seinem Gedächtnis löschen und fasziniert selber Par und Birdie nachjagen. Golf kann nur über eine nachhaltige Förderung der Jugend irgendwann auch in Deutschland so selbstverständlicher Bestandteil des Lebens für breite Bevölkerungsteile werden, wie es in Japan heute und schon lange der Fall ist.
Japan, das Land der Gegensätze
Japan ist ein Land der Gegensätze. Auf der einen Seite sehr traditionsbewusst und konservativ, auf der anderen Seite ein High-Tech-Land mit Hang zur Verspieltheit. In einem Land, das die Traditionen und althergebrachten Umgangsformen so pflegt wie Japan, wirkt technischer Schnickschnack wie ein Gegensatz zum sonstigen Leben. Im Golfresort Karuizawa, in dem die Team-WM 2014 ausgetragen wurde und das so groß ist, dass auch gut und gerne vier Weltmeisterschaften parallel stattfinden könnten, ist beispielweise in den Hotels ein ganz profaner WC-Sitz zu einem High-Tech-Multifunktionsgerät mutiert. Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen: die Sitzheizung auf dem Thrönchen ist schon skurril, aber eben nur ein Bruchteil dessen, was dieses Gerät noch kann. Und ehe der Gast aus Fernwest entdeckt hat, was die zahllosen Knöpfe der Bedienelemente auslösen oder eben auch nicht, kann schon man ein Anflug von Verzweiflung auf ein Europäisches Gesicht kommen.
Ganz und gar nicht verzweifelt wirkte ein älterer Herr, als er am Rande des 18. Grüns gerade den Spielerinnen des neuen Damen-Weltmeisters Australien die Hand schüttelte. Kein geringerer als Robert Trent Jones jr. höchstselbst war nach Karuizawa gekommen, um sich zu vergewissern, ob die beiden von ihm entworfenen Plätze den Anforderungen, die eine WM im Jahr 2014 stellt, noch gewachsen sind. Sind sie. Ohne Frage. Und so lächelte der Amerikaner breit über das ganze Gesicht.
Geschichten erzählen kann der aus New Jersey stammende und in Kalifornien lebende Golfplatzdesigner. Es gibt wohl kaum jemand, der im Weltgolf etwas geleistet oder zu sagen hat, den Trent Jones jr. nicht mehr oder weniger gut kennt. In poetischer Versform hat er Geschichten und Anekdoten, die er in seinem Leben aufgeschnappt oder erlebt hat, niedergeschrieben und selbst bebildert. Ein Buch, das sicher sehr lesenswert ist, das er aber nur seinen Freunden schenkt und nicht im Handel zu haben ist. In Deutschland hat der Amerikaner lediglich eine Anlage designet: den Südplatz des GCC Seddiner See vor den Toren der Bundeshauptstadt. Seit Robert Trent Jones jr. dieses Projekt Ende der 90er Jahre umgesetzt hat, ist er ein Fan von Potsdam. Mit großer Hingabe erzählt der rüstige Senior lange Geschichten - und ist gegenüber jedermann aufgeschlossen und sehr freundlich.
Die Freundlichkeit, die wir Europäern mitunter nicht immer so deutlich unseren Mitmenschen zuteil werden lassen, war bei den Japanischen Gastgebern umwerfend und omnipräsent. Damit übertrafen sie selbst noch einen Robert Trent Jones jr. Die Dienstbarkeit und das Zuvorkommen den Gästen gegenüber war rührend und sorgte auch bei einer stressigen Weltmeisterschaft für eine ungemein harmonische und entspannte Atmosphäre. Nur wenn die Japanische Damen-Nationalmannschaften in Sicht kam, vergassen die Fotografen und Journalisten jede Ruhe und Gelassenheit. Dann wurde hektisch nach dem besten Platz gesucht und auch nach Kräften gedrängelt und geschubst. Für die Spielerinnen war dies natürlich ein Indiz dafür, als Sportler in Japan mehr als hoch geschätzt zu sein.
Den Weltmeistertitel sicherten sich bei den Herren zum 15. Mal die USA mit 534 Schlägen (-38), vor Kanada (536 Schläge/-36) und Spanien (537/-35). Den Weltmeistertitel der Damen sicherte sich erwartungsgemäß Australien mit 547 Schlägen (-29), vor den lange Zeit in Führung liegenden Kanadierinnen (549 Schläge/-27) und Topfavorit Südkorea (550/-26).
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