Es hätte der Höhepunkt der bisherigen Saison für Max Rottluff im US College-Golf werden sollen. Aber: die "Nationals" der NCAA werden für den Spieler des GC Hubbelrath mit einem bitteren Beigeschmack in Erinnerung bleiben. Max Rottluff aus dem National Team Germany hat beim großen Finalturnier der NCAA die Matchplays nicht erreicht. Unerwartet schaffte sein Team von der Arizona State University nach drei Runden den Teamcut nicht. Nur die besten 15 Teams ermitteln in der vierten Zählspielrunde die acht Mannschaften, die sich danach im Matchplay messen, um den Champion zu ermitteln. Neben den Mannschaften kommen noch neun Einzelspieler aus den nicht über das Team qualifizierten Spielern weiter. „Ich hatte gehofft, mich darüber noch qualifizieren zu können, aber da habe ich den Cut um zwei Schläge verpasst. Das ist kein schöner Ausklang vom College-Turniergeschehen. Das hatte ich mir definitiv anders vorgestellt", war Max Rottluff sichtlich niedergeschlagen.
Nach Runden von 71, 78 und 71 Schlägen war für den Rheinländer das in den USA stark beachtete Turnier zu Ende. In den Statistiken wird die letzte Runde für den Spieler aus dem Kader von Bundestrainer Uli Zilg mit einer 72 ausgewiesen, denn der gesamte Flight, mit dem Max Rottluff auf der Runde war, bekam einen Strafschlag wegen zu langsamen Spiels. Damit war Rottluff aber alles andere als einverstanden und nach dieser Entscheidung der Rules Officials in Rage.
"Wir haben leider im Team nicht gut gespielt. Mit meinem Spiel bin ich aber dennoch zufrieden, denn ich habe viele Sachen sehr gut gemacht und bin sehr gut in das Turnier gestartet", spielt der Hubbelrather darauf an, dass er am ersten Tag nach acht Bahnen schon bei "fünf unter" lag. Spitze!
Aufgrund der schwülen Hitze in Florida ging dem Spieler, der schon bei zwei Weltmeisterschaften Deutschland vertreten hat, etwas die Luft aus: „Das wird auf diesem Platz hier direkt bestraft."
Die zweite Runde verlief unglücklich. Das Spiel lief nicht zusammen. Entweder deutete Rottluff den Wind falsch, wählte einen falschen Schläger oder platzierte seinen Ball nicht ideal. Dennoch hat sich im Spiel gehalten, bis auf Bahn 13 ein Desaster passierte. Max Rottluff spielte die Fahne ganz knapp auf der falschen Seite an und so lief der Ball vom Grün in die tiefe Mulde der Collection-area. Von dort gelang es dem 22-Jährigen zweimal nicht, den Ball auf dem Grün zum halten zu bekommen. Wieder und wieder landete die weiße Kugel vor den Füßen des danach sichtlich konsternierten Spielers. Im dritten Anlauf klappte es dann, aber nach zwei Putts Stand ein Doppelbogey auf der Karte. "Das hat einiges an Momentum gekostet und so sind mir hinten heraus noch ein paar dumme Fehler unterlaufen, die zu Bogeys führten", erklärt Max Rottluff die 78.
In Runde 3 war beim Spiel wieder alles in bester Ordnung und der Deutsche spielte solide, kam mit einer 71 vom Platz. Dachte er. Zum ersten Mal in seinem Leben kassierte Max Rottluff einen Slow-play-penalty und war damit alles andere als einverstanden: "Das konnte ich weder verstehen, noch akzeptieren. Es war kein Strafschlag an mich, sondern an den ganzen Flight, weil wir die letzten vier Bahnen angeblich zu langsam gespielt hätte. Das war einfach nur lächerlich! Die Slow-play-policy der NCAA ist absoluter Unsinn und unterscheidet sich von den sonst üblichen Regelungen."
Durch eine Verkettung einzelner Spielsituationen, die jeweils einige Minuten gekostet hatten, verpasste der Flight des Hubbelrathers einen Zeit-Checkpoint, hatte aber schon am darauffolgenden Loch wieder zur Spielgruppe davor aufgeschlossen und musste auf dem folgenden Tee sogar warten. Dies interessierte die Rules Officials gar nicht. Weil Max und einer seiner Mitspieler auf Bahn 7 warteten, bis das Grün frei wurde, um mit dem zweiten Schlag dieses Par 5 zu attackieren, tat sich zum Vorflight unmittelbar wieder eine kleine Lücke auf. Somit wurde am Checkpoint von Grün 9 die Zeitvorgabe wieder gerissen. Daraufhin kassierten alle drei Spieler einen Strafschlag. Worüber sich Max Rottluff besonders ärgerte: "Normaler Weise ist dann immer ein Rules Official dabei, so dass man die Verzögerung erklären kann. Aber dieser Official war nicht mehr aufzufinden. Ich habe das als sehr unfair empfunden und auch die Coaches haben das sehr schlecht aufgenommen. Ich bin eigentlich ein relativ schneller Spieler und habe das Gefühl, dass an uns ein Exempel statuiert wurde, weil in den Medien die NCAA kritisiert worden war, nie Strafschläge wegen zu langsamen Spiels zu vergeben. Jetzt plötzlich gab es an einem Tag gleich vier Strafschläge. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Das war eine ziemlich bittere Erfahrung, zumal mir noch nicht einmal die Chance gegeben wurde, die Argumente gegen den Strafschlag vorzubringen."
Sportlich fair erkannte Max Rottluff letztlich aber seine zweite Runde als den Grund dafür an, den Cut nicht gemacht zu haben.
"Jetzt schaue ich nach vorne! Mein Spiel fühlt sich gut an, ich habe jetzt ein tolles Programm vor der Nase", geht der Deutsche Nationalspieler optimistisch in die kommenden Turniere. Schon am 8. Juni tritt Max Rottluff beim Qualifier zur US Open in Columbus/Ohio an und fliegt von dort aus direkt weiter zum Palmer-Cup. Dies wird noch einmal ein spannender Höhepunkt, denn dann Treffen die besten College-Spieler der USA auf die Kontrahenten aus Europa. Es wird in einem Modus gespielt, der dem Ryder Cup sehr ähnelt.
Die Saisonleistung von Max Rottluff hat in den USA auch ohne ein glückliches Ende der Nationals große Beachtung gefunden. Mit Awards wird der Deutsche reich bedacht. "Academic All American" ist er schon. "Das ist eine eher akademische Auszeichnung für Sportler, die einen großen sportlichen Einfluss auf ihr Team haben, aber eben auch einen sehr guten Notenschnitt haben. Das hat mich gefreut, dass ich dafür nominiert wurde", so der Vorzeigeathlet.
Rein sportlich geht es bei der Nominierung zum "First Team All American" zu. Und hier steht Max Rottluff dann tatsächlich unter den besten elf Spielern des College-Jahres. Die Coaches der College Association wählen die Spieler aus. "Ich habe mich darüber riesig gefreut! Das ist eine unglaubliche Ehre und eine Auszeichnung, die mir sehr viel bedeutet. Ich schaue nun auf eine sehr erfolgreiche und lehrreiche Saison zurück", darf Max Rottluff den verdienten Lohn für eine großartige College-Saison einfahren.
Neben den beiden Auszeichnungen war Max Rottluff auch noch Finalist beim Haskins Award. Auch bei diesem Award wird die Saisonleistung betrachtet. Frühere Sieger sind unter anderen die späteren Tour-Champions Tiger Woods, Hunter Maham, Matt Kucher, Justin Leonard, David Duval, Luke Donald und Phil Mickelson.
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