Erstmals seit der Entwicklung des Umweltmanagement-Programms des DGV „Golf und Natur“ (G+N) wurde eine in Planung befindliche Golfanlage mit Bronze (2008) und mit Inbetriebnahme des Spielbetriebs (erster Bauabschnitt) im Juli 2012 mit Silber zertifiziert. Die Besonderheit und auch der Vorteil des westlich Kölns liegenden Kölner Golfclubs als G+N-Projekt ist, dass bereits in der Planungsphase frühzeitig „Alle ins Boot geholt“ werden konnten, so der Geschäftsführende Gesellschafter Guido Tillmanns. Der DGV als erster Ansprechpartner begleitete das Konzept und den Pflegeplan sozusagen von der ersten Stunde an. Bestehende Golfanlagen hingegen müssen oft nachgerüstet und ihr Golfbetrieb entsprechend den Anforderungen des DGV-Programms G+N nachhaltig dokumentiert werden. Silber- und Gold-Zertifizierungen werden gemeinsam mit der DQS GmbH, Deutsche Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen, als Auditpartner durchgeführt. Die DQS setzt dafür ausgewählte Auditoren ein, die neben der Zulassung für Qualitäts- und Umweltmanagement aktive Golfspieler sein müssen und möglichst Erfahrungen in der Vorstandsarbeit eines Golfclubs mitbringen.
Nicht nur die Clubphilosophie, die jedem Golfer und am Golfsport Interessierten die Möglichkeit eröffnet, im Kölner Golfclub diesen Sport auch ohne Mitgliedschaft und Handicap auszuüben, ist vorzeigenswert. Auch das Design aus der Feder von Heinz Fehring, die bauliche Umsetzung durch schottische Experten sowie die extrem positive Ökobilanz des neu gestalteten Areals machen das innovative Golfprojekt in Köln Widdersdorf außergewöhnlich.
Die Ausgangssituation: Durch das neu erschlossene Wohngebiet Widdersdorf und dem neu aufgeschütteten Schutzwall zur A1 wurde der verbleibende ehemals landwirtschaftlich intensiv genutzte „Streifen“ nicht mehr optimal nutzbar, so dass die Stadt Köln die verbleibende Fläche in ihrer ökologischen Wertigkeit optimieren und gleichzeitig nicht der Öffentlichkeit entziehen wollte. Während der fünf Jahre Genehmigungsplanung konnten die Beteiligten sowohl von dem ökologischen Konzept als auch von der zukünftigen nachhaltigen Bewirtschaftung durch den Golfclub überzeugt werden.
Das Ergebnis: Ein 27-Loch-Platz auf rund 91 ha, nur knapp 8 Kilometer vom Kölner Dom entfernt, mit jeweils 9-Loch Pitch, Chip- und Putt-Parcours sowie mit dem jüngst als „PGA Premium Golfschule“ ausgezeichneten modernen Trainingszentrum. Die rund 20 Zentimeter aufgebrachte Sandschicht auf den Spielbahnen und dem Semirough sorgt für eine ganzjährige Bespielbarkeit des Platzes, unterstützt durch die optimale Saatauswahl mit Hilfe der Rasen-Fachstelle der Uni Hohenheim. Internationales Flair vermitteln das Shaping der Spielbahnen und die Modellierung der begleitenden Hügellandschaften und können für die Region als herausragend gelten. Die Einsaat durch autochthones Saatgut in Hardroughflächen begünstigt den Erhalt der biologischen Vielfalt und des natürlichen Artenspektrums dieser Region. Durch die Erdbewegungen entstanden zahlreiche Wasserflächen, von denen die heimische Tierwelt längst Besitz ergriffen hat. Ornithologische Untersuchungen im Untersuchungsraum konnten zahlreiche schützenswerte Vogelarten nachweisen. Auf mehreren Hektar Maßnahmenflächen findet man heute unter anderem Streuobstwiesen und Magerwiesen.
Ferner im G+N Maßnahmenkatalog enthalten sind die computergesteuerte Überwachung des Wassermanagements bezüglich Wasserqualität auf Nährstoffe und Pestizidrückstände von Sickerwasser am Grün sowie Beregnungswassermengen. Zum Thema Qualitätssicherheit, Arbeits- und Gesundheitsschutz für Mitarbeiter sowie die Inbetriebnahme einer Maschinenhalle mit allen gesetzlichen Anforderungen steht für die nahe Zukunft auf der To do-Liste. Ein ökologischer Lehrpfad, der diesen Grünzug durchläuft, unterstreicht das Konzept, dieses Areal öffentlich sinnvoll zugänglich zu machen. Und auch die Möglichkeit, als Neugolfer oder Spieler ohne Mitgliedschaft den Platz bespielen zu können, besitzt in Deutschland Vorzeigecharakter und dient der Popularisierung des Golfsports.
Nach erfolgreicher Umsetzung dieser und weiterer Maßnahmen, die gemeinsam durch den DGV, die DQS GmbH und den Golfclub festgelegt wurden, strebt der Kölner Golfclub die Goldzertifizierung an. Der zweite Bauabschnitt mit 9 Löchern soll im Herbst fertig gestellt werden. Und ein Jahr später, in 2013, ist die Komplettierung der Golfanlage auf 27 Löcher angestrebt.
Text und Bild: Ann Baer-Schremmer





