Gneven/Mecklenburg-Vorpommern - War das ein Paukenschlag am Ende der Golfsaison 2013! Der Tag war nicht lang genug. Da haben die Finalisten GC Hubbelrath und GC St. Leon-Rot für das Stechen noch die Nacht dazu genommen. Spannender und beeindruckender hätte die Premieren-Saison der KRAMSKI Deutsche Golf Liga (DGL) nicht zu Ende gehen können.
Wer dieses Finale nicht vor Ort miterlebt hat, hat etwas verpasst! Erstmals in der Geschichte des Deutschen Golfsports ging ein Finale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft nicht nur ins Stechen, sondern wurde in völliger Dunkelheit unter behelfsmäßigem Flutlicht zu Ende gespielt. Die Atmosphäre war absolut faszinierend und ist wirklich nicht mit Worten zu beschreiben. Alle, die als Aktive beteiligt waren, aber sicher auch alle Zuschauer werden diesen Finaltag nie mehr vergessen.
Neuer Deutscher Mannschaftsmeister und damit erster Sieger der KRAMSKI (DGL) ist der GC Hubbelrath. Nach 2011 ist es den Düsseldorfern zum zweiten Mal in nur drei Jahren gelungen, die Vormacht des GC St. Leon-Rot zu brechen.
Dramatischer und Stimmungsvoller hätte das Finale nicht zu Ende gehen können. Um 19.00 Uhr begann das Stechen, als die Sonne schon untergegangen war. Erst um 20.30 Uhr, als es schon total finster war, stand der neue Titelträger fest. Mit Scheinwerfern war Bahn 11 des phantastischen WINSTONlinks-Course zumindest soweit ausgeleuchtet, dass die Spieler das Stechen spielen konnten.
In vielen Jahren, in denen sich die Kurpfälzer den Titel des Deutschen Mannschaftsmeister gesichert hatten, lag SLR nach den Vierer zurück. In der Premieren-Saison der KRAMSKI DGL sah dies anders aus. Nur Tim Bombosch und Nicolai von Dellingshausen konnten auf dem 18. Grün ihr Match mit 2auf gegen Christopher Dammert und Sebastian Schwind gewinnen. Die beiden Spieler von SLR hatten auf der Frontnine ständig in Front gelegen, konnten aber keinen Vorsprung herausspielen, der eine Entscheidung gebracht hätte. Am Ende setzen sich die Rheinländer doch noch durch durch und sicherten damit den einzigen Punkt des Vormittags für das Düsseldorfer Team.
Zwei Matches waren frühzeitig zu Gunsten des GC SLR entschieden. „Gaucho" Junge und Max Bögel siegten mit 4und3 gegen Max Mehles und Christian Reimbold. Mit dem gleichen Ergebnis holten Rico Thome und Max Oelfke einen Punkt für den Club, der 2015 Gastgeber des Solheim-Cup sein wird. Marc Christopher Siebiera und Ferdinand Weber hatten das Nachsehen.
Deutlich spannender machten es die Spieler, die das Finale um 7.54 Uhr eröffnet hatten. Im ersten Vierer trafen Mario Koenigsfeld und Max Herter auf Christian Schunck und Dominic Foos. Ständig mussten die Hubbelrather einer Führung von Schunck/Foos hinterherlaufen. Einen großen Vorsprung konnten der Routiniers und der Youngster aus SLR allerdings nicht erspielen, so dass es bis zum 18. Grün ging. Am Ende steht ein 1auf-Sieg für den GC St. Leon-Rot in der Statistik, so dass die Kurpfälzer mit einer recht entspannten Führung von 3:1 in die Einzel am Nachmittag starten konnten. Von den acht Matches mussten die Spieler von Trainer Danny Wild nur noch drei gewinnen und eines teilen, um sich erneut den Pokal des Deutschen Mannschaftsmeisters zu sichern. Dieser scheinbar komfortable Vorsprung reichte am Ende aber nicht, um den neunten Meistertitel in die Kurpfalz zu holen.
Max Herter setzte sich im ersten Einzel mit 3und2 gegen Christian Schunck durch.
Danach fuhren Dominic Foos und Max Oelfke zwei Punkte für SLR ein. Foos bezwang Mario Koenigsfeld mit 3und2, während sich Oelfke gegen Max Mehles glatt mit 7und6 durchsetzte.
Hubbelrath ließ sich aber nicht abhängen. Marc Christopher Siebiera gewann das Duell der Routiniers gegen Rodolfo Erico Junge mit 4und3. Nicolai von Dellingshausen gewann sein Match gegen Christopher Dammert mit 5und4.
Nachdem Rico Thome für SLR den sechsten Punkt gewonnen hatte, als er sein Match gegen Ferdi Weber mit 4und2 vorzeitig beenden konnte, ging es für Hubbelrath nur noch darum, ein Stechen zu erzwingen. Christian Reimbold legte dazu passend vor und siegte mit 2auf gegen Max Bögel. Alle Last lag danach auf den jungen Schultern von Tim Bombosch, der sein Match gegen Sebastian Schwind unbedingt gewinnen musste, um sein Team im Spiel zu halten.
Bombosch kam mit 5auf von der Frontnine, konnte diese hohe Führung aber nicht sichern. Im Showdown auf dem 18. Grün hielt der Youngster seinen minimalen Vorsprung. Der 1auf-Sieg reichte, um beide Mannschaften in ein Stechen zu zwingen.
Was dann folgte, darf man getrost als Sportgeschichte bezeichnen.
Das Tageslicht schwand und so wurde von der Spielleitung entschieden, das Stechen unter „Notbedingungen" spielen zu lassen. Mit Hilfe der Scheinwerfer von Autos und Platzpflegemaschinen sollte Bahn 11 so ausgeleuchtet werden, dass die Spieler auf Tee und Grün genügend Licht hatten, um den Ball zu spielen.
Die Kapitäne bestimmten jeweils drei Spieler, die für die Teams ins Stechen gehen sollten. Danny Wilde schenkte Dominic Foos, Sebastian Schwind und Max Oelfke sein Vertrauen. Für Hubbelrath sollten Christian Reimbold, Max Herter und Nicolai von Dellingshausen die Kohlen aus dem Feuer holen.
Nach und nach versammelten sich (fast) alle Spieler, Betreuer und Zuschauer am Grün der 185 Meter langen Par 3-Bahn, um dem außergewöhnlichen Stechen zu folgen. Es wurde empfindlich kalt, aber dennoch knisterte die Luft förmlich vor Spannung.
Dominic Foos und Christian Reimbold teilten ihren ersten Durchlauf mit einem Par und gingen damit zurück auf das 11. Tee. Den ersten Punkt für Hubbelrath holte Max Herter gegen Max Oelfke, nachdem der SLR-Spieler seinen Abschlag in die tiefe Schlucht gesetzt hatte, die links neben dem Grün klafft. Sebastian Schwind und Nicolai von Dellingshausen teilten ihre erste Bahn mit sicheren Pars. Das zweite Duell Foos gegen Reimbold endete wieder mit zweimal Par und brachte somit keine Entscheidung.
Am Ende war es Nicolai von Dellingshausen vorbehalten, den alles entscheidenden zweiten Punkt für sein Team in diesem unglaublichen Stechen einzufahren. Je nach Lage des Balls wurden die Scheinwerfer immer wieder neu justiert, um den Spielern die bestmöglichen Bedingungen zu bieten. In die inzwischen tiefschwarze Nacht stopfte der Hubbelrather seinen Par-Putt, nachdem er seinen Abschlag rund 20 Meter links neben die Fahne auf das Grün gesetzt hatte, Sebastian Schwind zwar näher am Stock, aber nicht auf dem Grün lag und dessen Chip etwa fünf Meter vom Loch entfernt hielt. Diesen Par-Putt konnte Schwind nicht lochen.
Nachdem das Bogey für Schwind fest stand, hatte Nicolai von Dellingshausen die Chance, das Loch, das Match und damit auch die Meisterschaft für den GC Hubbelrath zu gewinnen, wenn er seinen Putt aus etwa vier Metern lochen würde. Und tatsächlich schaffte der Hubbelrather es, den zweiten Meistertitel innerhalb von drei Jahren unter Dach und Fach zu bringen. Der Rest war Jubel pur. Die Anspannung eines faszinierenden Tages löste sich und die Hubbelrather tanzten auf dem Grün.
Die Bronzemedaille sicherte sich der Frankfurter GC. Nach den Vierern hatte noch der GC Mannheim-Viernheim mit 2,5:1,5 geführt. Die Hessen drehten am Nachmittag in den Einzeln das Spiel aber noch und siegten am Ende mit 7:5.
Damen aus Hubbelrath ohne Medaille
Die Damen des GC Hubbelrath waren mit großen Ambitionen nach Schwerin gereist. Nachdem die Düsseldorferinnen souverän die Nordstaffel der 1. Bundesliga dominiert hatten, war die Goldmedaille ganz klar das Ziel der Mannschaft um Trainer Dawie Stander.
Hubbelrath führte im Halbfinale gegen den GC St. Leon-Rot zeitweise in fünf von sechs Einzeln. Der Titelverteidiger schaffte es aber, das Blatt zu wenden. Den ersten Punkt aus den Einzeln lieferte Carolin Pietrulla gegen Anna-Theresa-Rottluff auf dem 18. Grün für SLR. Karolin Lampert, die unmittelbar dahinter all square gegen Denise Kalek lag, bekam dies mit und steigerte sich in einem famosen Endspurt. Damit holte Lampert den fünften und entscheidenden Punkt für St. Leon-Rot. Etwa zeitgleich konnte Samantha Krug (GC Hubbelrath) auf dem siebten Grün (die 16. gespielte Bahn) ihre Begegnung gegen Nicole Lingelbach für sich entscheiden. Für Hubbelrath punkteten auch Chiara Mertens (2und1 gegen Laura Kowohl) und Merle Kasperek (5und3 gegen Meike Fleck). Den Einzug ins Finale hatte Hubbelrath aber verpasst.
Nach dieser Enttäuschung lief im „Kleinen Finale" gegen den GLC Berlin-Wannsee nicht viel bei den Hubbelratherinnen zusammen. Schon nach den Vierern war Berlin mit einer 3:0-Führung klar auf der Siegerstraße. Die Einzel konnte Hubbelrath zwar ausgeglichener gestalten, aber auch hier hatte Wannsee mit 3,5:2,5 die Nase vorne und holte sich am Ende mit einem klaren 6,5:2,5 verdient die Bronzemedaille.
Den Titel sicherte sich der Münchner GC. Im Stechen gewannen das Team aus der Bayrischen Landeshauptstadt gegen den GC St. Leon-Rot.
Die Premierensaison der KRAMSKI Deutsche Golf Liga hat viele Skeptiker überzeugt und darf als großer Erfolg für den Deutschen Golfsport gewertet werden. Dieses phänomenale Final Four mit einem Stechen in beiden Finalmatches war das Sahnehäubchen auf einer spannenden und hochklassigen Saison.
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