Köln - Die Saison 2017 der KRAMSKI Deutsche Golf Liga presented by Audi ist Geschichte. In einem famosen Finale setzt sich der GC Hubbelrath gegen den Hamburger GC mit 6,5:5,5 durch. Die Bronzemedaille sichert sich der GC Mannheim-Viernheim im Stechen gegen den Stuttgarter GC Solitude.
In einem packenden Finale hat sich der GC Hubbelrath im fünften Final Four den vierten Titel gesichert, davon nun drei in Serie. Der Jubel der Düsseldorfer war riesig, die Enttäuschung beim Hamburger GC im ersten Moment groß, wobei die Hanseaten nach einem 1:3-Rückstand aus den Vierern am Nachmittag in den Einzeln einen famosen Kampf boten und die meisten Matches lange ganz eng waren, so dass dieses Finale auch gut andersherum hätte ausgehen können.
Am Morgen sah es zwischenzeitlich sogar danach aus, dass Hubbelrath alle Punkte einsammelt. So führten Kenji Nakajima mit Frederik Strünker nach vier Bahnen schon mit 3auf und wurden bis zum 18. Grün immer in Front liegend angezeigt. Erst mit dem letzten Putt glichen Yannik Emmert und Niklas Adank noch aus. Emmert machte sich direkt auf den Weg zur Driving Range, um eine Kleinigkeit zu verändern – was sich am Nachmittag sofort auszahlte, als er sein Einzel gegen Frederik Strünker dominierte, nach zehn Bahnen schon mit 6auf führte und mit 4&3 früh einen Punkt für Hamburg sicherstellte.
Ferdinand Weber und Niklas Jacobi harmonierten im zweiten Vierer prächtig und da die Hanseaten einige Male mit ihren Schlägen haderten, war früh eine Vorentscheidung gefallen, als nach sechs in Folge gewonnenen Bahnen schon vor dem Wechsel auf die Backnine im Livescoring eine 6auf-Führung angezeigt wurde. Mit 5&4 gewann Hubbelrath diesen Punkt.
Max Mehles und Tim Bombosch sind als Duo kaum zu schlagen. Diese Erfahrung mussten Lukas Kahl und Brian Schnoor machen, die keineswegs schlecht spielten, aber dennoch nie in Führung gehen konnte. Immerhin blieb das Ergebnis mit 3&1 freudlich.
Im letzten Vierer gab es ein Wiedersehen zwischen Max Kieffer und Michael Thannhäuser, die sich vor zwei Jahren im Finale von Lich ein unvergessenes Match geliefert hatten. 2017 fand dieses Duell im Vierer statt. Kieffer war mit Julian Baumeister unterwegs, während für die Falkensteiner noch Carl Anton Kolloß ins Rennen ging.
Wieder war es ein sehenswertes Match, auch wenn die Score nicht ganz so tief ging. Aber wieder war es ungemein spannend und die Führung wechselte, wobei die Nordlichter länger in Front lagen. Am Ende teilte sich Hubbelrath mit Hamburg Match und Punkt, so dass die 3:1-Führung für den Titelverteidiger fest stand.
Schon am Vormittag, noch mehr aber am Nachmittag nutzten die Athleten die Chancen, die sich auf dem sehr abwechslungsreichen Platz des Kölner GC bieten. Reihenweise wurden Löcher mit Birdie gegen Birdie geteilt oder auch mal Birdie gegen Eagle verloren. Den vielen Zuschauern, die in den Kölner Westen gekommen waren, wurden eine Menge grandioser Schläge geboten, bis hin zu einigen realistischen Chancen, auf Par-4-Bahnen ein Ass zu erzielen. Es war wirklich spektakulär anzusehen, was die Spieler auf den Platz brachten. Und so wird trotz sehr frischer Temperaturen und teils unangenehmen Winds keiner der insgesamt mehr als 5.300 Zuschauer bedauern, auf die besondere Anlage des Kölner GC raus gekommen zu sein.
Der Verlauf der meisten Einzel war dazu angetan, den Pulsschlag der Trainer zu erhöhen. Es war in fast allen Matches eng, auch wenn in der Addition Hubbelrath lange deutlich vorne lag. Zwischenzeitlich sah es dann aber tatsächlich so aus, als wenn Hamburg das Blatt noch würde wenden können – wenn alles optimal aus norddeutscher Sicht zu Ende liefe. Aber so war es letztlich doch nicht und der GC Hubbelrath hat erneut unter Beweis gestellt, wie gut das Team sich auf den Punkt motivieren kann und in dem Modus, Mann gegen Mann jederzeit brandgefährlich zu sein.
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Roland Becker, Meistertrainer des GC Hubbelrath hat immer betont, wie sehr er seine Schützlinge zur Eigenständigkeit „erzieht“ und deshalb jeder Athlet für sich immer die volle Verantwortung trägt. Dieses Vertrauen in seine Spieler, zahlen die Aktiven in Form von guten Ergebnissen als Dividende zurück. Ein sichtlich geschaffter Coach war sehr erleichtert, als der entscheidende Putt von Luis Obiols gefallen war: „Das ein langer und anstrengender Nachmittag. Erst sah es deutlich aus, aber dann wurde es immer enger und enger. Dass es jetzt am Ende gereicht hat, ist einfach nur schön. Ich habe ein tolles Team. Lochspiel liegt uns besonders. Ich hatte die ganze Saison schon den Eindruck, dass die Ergebnisse der Spieltage nicht so viel aussagen. Wir hatten im Finale wieder ein Nordduell, obwohl in der Südstaffel die Ergebnisse viel besser waren.“
Max Kieffer hatte gewiss auch seinen Anteil daran, dass die Hubbelrather mit breiter Brust auftreten konnten. Im Vierer hatte es nicht zum Sieg für den Profi von der European Tour gereicht, aber im Einzel gegen Gregory Wiggins zeigte Kieffer wieder seine ganze Klasse und zauberte Bälle an den Stock, dass den Zuschauern, die in Massen dem Star hautnah folgten, mitunter der Atem stockte. Kieffer hatte sichtlich Spaß im Team: „Es ist super cool, mit den Jungs hier wieder gewonnen zu haben. So nah an unserem Heimatclub und das dritte Mal in Folge – das ist schon etwas ganz Besonderes. Die Zuschauer haben mich gar nicht gestört. Ich bin so konzentriert und ohnehin nicht so anfällig für Störungen. Gut, dass es kein Stechen gab, denn ich wäre jetzt zu müde, um auch noch stechen zu können.“
Einer der maßgeblichen Urväter der KRAMSKI Deutsche Golf Liga presented by Audi hatte drei Tage im Kölner GC verbracht, viele Menschen getroffen, zahlreiche Gespräche geführt und sich von der Atmosphäre begeistern lassen. Marcus Neumann analysierte den Status Quo: „Es war ein besonderes Final Four. Beim fünften Mal ist vieles in Durchführung und Vorbereitung schon geübt. Dennoch was das etwas ganz besonderes, hier nach Köln zu kommen, weil das Setting der Anlage ein anderes ist. Das ist sehr gut angekommen und von den Zuschauern sehr gut angenommen worden, wie die hohen Zuschauerzahlen zeigen. Wir haben uns insgesamt mit dem Final Four wieder steigern können. Es war auch etwas besonderes, die German Longdrive Championship im Rahmenprogramm zu haben. Das war vielleicht das I-Tüpfelchen auf diesem Final Four hinsichtlich der Zuschauerzahlen. Das schreit nach Wiederholung. Das wichtigste war aber natürlich der Sport und damit der dritte Titel in Folge für den GC Hubbelrath mit seinem phantastischen Coach Roland Becker. Das ist eine Erfolgsstory, auch in der Konstanz. Bei den Damen sagt mal vielleicht vorschnell, dass es wieder St. Leon-Rot geworden ist, aber Seriensiege sind auch bei den Damen nicht selbstverständlich. Alle Mannschaften haben hier auf einem sehr hohen Niveau gespielt. Der Platz hat ein sehr interessantes Layout und ist spektakulär für die Zuschauer. Das Ambiente stimmte bei diesem hochprofessionellen Gastgeber. Am Ende sagt uns das, dass wir auf einem sehr guten Wege sind, mit solchen Veranstaltungen den deutschen Golfspiel voran zu bringen. Über alle Ligen hinweg ist die Meisterschaft ein prägendes Ereignis für den Golfsport.“
Im Rahmen der Siegerehrung bedankte sich DGV-Präsident Claus M. Kobold sehr herzlich beim gastgebenden Kölner GC und deutete großes Interesse an, auch im kommenden Jahr das Finalturnier der DGL wieder im Kölner GC austragen zu können.
Halbfinale
Der Vormittag des Halbfinaltags fühlte sich an wie der erste Herbsttag des Jahres. In Köln fegt ein heftiger Wind über die Anlage und wirbelt manchen Plan bei den Schlägen der Athleten kräftig durcheinander. Nicht nur die Pläne für einzelne Schläge wurden zur Makulatur. Auch Wünsche und Ziele nahm der Wind von Athleten und ganzen Teams gleich mit.
So sah für den Titelverteidiger nicht nach einem deutlichen Sieg aus. Stuttgart hatte sich sehr gut gegen den amtierenden Meister geschlagen und zwei Vierer gewonnen. Der erste Vierer, der beendet war, ließ Meister Hubbelrath mit 1:0 in Führung gehen. Max Mehles und Tim Bombosch dominierten ihr Match gegen die Stuttgarter Julian Schinnenburg und Michael Pfeifer klar. Mit 6&5 war das Ergebnis deutlich.
Julian Baumeister und Luis Obiols steuerten mit einem 2&1-Sieg über Max Holzwarth und Jonas Kugel den zweiten Punkt für den Titelverteidiger bei. Der Final-Four-Neuling schlug sich gegen den Titelverteidiger am Morgen aber mehr als achtbar und sicherte sich vor den Einzeln eine gute Ausgangslage, weil Liga-Ranglisten-Sieger Severin Soller gemeinsam mit Nick Mattner gegen das in dieser Saison oft stark auftrumpfende GCH-Duo Kenji Nakajima/Frederick Strünker mit 1auf auf dem 18. Grün triumphieren konnte, nachdem die Schwaben meist knapp in Front gelegen hatten.
Den zweiten Stuttgarter Punkt holten die Herrmann-Twins. Max und Alexander waren für Ferdinand Weber und Niklas Jacobi eine hohe Hürde. Folgerichtig führten die Bayern im Schwabendress auch fast immer, bauten ab Bahn 6 die Führung sukzessive aus und gewannen letztlich mit 4&2.
Mit 2:2 ging es in die Einzel. Hier half es sicher, dass Max Kieffer rechtzeitig angekommen war und dem Team so viel Sicherheit geben konnte. Mit 8:4 setzte sich der leicht favorisierte Club aus Düsseldorf durch.
Roland Becker, der Meistertrainer des GC Hubbelrath, strahlte am Abend wie immer noch solchen Erfolgen über das ganze Gesicht. „Heute morgen sah es ja erst nicht so gut aus. Phasenweise lagen wir 1:3 zurück. Dass das eine Match dann doch noch für uns gelaufen ist, machte die Situation natürlich wesentlich besser. Als als Max Kieffer dann am Nachmittag zur Verfügung stand und sofort von Beginn an viele Löcher gewonnen hat, hatte ich früh das Gefühl, dass es schon passen würde. In der Mittagspause habe ich allen nur noch mal auf die Schulter geklopft. Ich war einfach optimistisch. Und jetzt haben wir das Nordduell“, sah man Becker an, wie er sich auf diesen Finalsonntag freut.
Max Kieffer, der nach sieben Stunden Autofahrt seinen Frust über das unglückliche Aus bei der Paul Lawrie Match Play in Bad Griesbach mit großartigem Golf wegfegte, war ebenfalls sehr froh, dass seine Mannschaft gewonnen hatte: „Wir freuen uns, dass wir im Finale sind. Ich habe gestern ziemlich bitter mein Match in Bad Griesbach verloren und war auch ziemlich down, aber es kamen viele Nachrichten vom Team und da konnte ich ja gar nicht anders, als hierher zu kommen. Ich habe heute gegen Max Herrmann, einen sehr guten Spieler gespielt. Ich wusste, dass ich da mein bestes Golf spielen muss, was nach der langen Autofahrt auch gar nicht einfach war. Aber ich stand auch ein bisschen unter Adrenalin und das hat mich durch den Tag gerettet. Hier zu spielen ist eine schöne Abwechslung. Das ist die beste Frustbewältigung. Jetzt freue ich mich auf mein Bett und morgen sind dann sicher alle frisch. Roland Becker wird sicher einen guten Matchplay entwerfen und wir werden mit großem Teamgeist rausgehen, um den Pott wieder mit nach Hubbelrath zu nehmen.“
Der Stuttgarter GC Solitude nahm die Niederlage gegen Hubbelrath mit sportlicher Größe an. Trotz der Schlappe überwog weiterhin die Freude, sich zum ersten Mal für das Final Four qualifiziert zu haben. Peter Wolfenstetter, der Coach der Solituder, war natürlich trotzdem nicht ganz zufrieden: „Wir sind froh, überhaupt hier zu sein und treffen dann sofort auf die Hubbelrather, die zuletzt zweimal in Folge Meister waren. Roland Becker hat eine Wahnsinnstruppe mit einem Haufen Erfahrung. Ich komme mit vielen jungen Spielern her und wir waren noch nie da. Ich bin natürlich nicht zufrieden, denn ich verliere nicht besonders gerne. Aber Glückwunsch an Roland und seine Truppe. Das hat Hubbelrath toll gemacht. Nachdem Kiwi in Bad Griesbach verloren hatte, war uns klar, dass er kommen wird. Das ist ein toller Golfspieler und er macht das super. Aber im Spiel der Mannschaften ist das auch nur ein Punkt. Wir haben versucht, dagegen zu halten und meine Jungs haben das großartig gemacht, nach hinten heraus da noch so gegen zu halten.“
Noch auf dem Platz versammelte Wolfenstetter sein Team in einem großen Kreis und schwor die Athleten auf den morgigen Tag ein: „Für morgen haben wir uns jetzt schon noch etwas vorgenommen und versuchen halt, zumindest mit einer Medaille nach Hause zu fahren.“
<link livescoring.golf.de/albport/golfclubtv_dmm.jsp _blank external-link-new-window "Öffnet internen Link im aktuellen Fenster">Ergebnisse Halbfinale</link>
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