Sehr harmonisch verlief der ordentliche Verbandstag des Golfverbands NRW, zu dem Vertreter aus 28 Clubs nach Düsseldorf gekommen waren.
Bevor in die formelle Tagesordnung eingestiegen wurde, erläuterte Markus Lawatsch, worauf es bei der Mitgliedergewinnung im Golfmarkt wirklich ankommt. Der Marketingexperte des Deutschen Golf Verbands (DGV) war von Ekkehart Schieffer, dem Präsidenten des Golfverbands NRW eingeladen worden, weil absehbar ist, dass viele Golfclubs aufgrund der Demographie einen Mitgliederrückgang zu erwarten haben und zudem heute schon bei den Kindern bis 14 Jahren ein Minus von mehr als acht Prozent zu verzeichnen ist. Dem gelte es, mit Hilfe von aktiver Mitgliederwerbung zu begegnen.
Zahlungsbereitschaft im Blick haben
Markus Lawatsch machte klar, dass Marketing im Golf ganz eigenen Gesetzen folgt.
Clubs, die Mitglieder suchen, sollten immer beachten, den Interessenten genau das Angebot zu unterbreiten, was für Golffremde oder -einsteiger als preislich angemessen erscheint.
Da die meisten Deutschen große Vorurteile über den Golfsport haben und den Nutzen (noch) nicht kennen, gilt es, die erste Hürde so klein wie möglich zu halten: Ein Schnupperkurs für 19 Euro ist dazu gut geeignet.
Erst, wenn jemand beim Schnupperkurs Spaß hatte, darf der Preis für den nächsten Schritt der Golfkarriere zu sehen sein. Der Club sollte aber nicht einen „PE-Kurs" anbieten, sondern einfach nur davon sprechen, dass der Anfänger dort Golf lernen kann.
Was dann beinahe zwangsläufig irgendwann auf die Platzerlaubnis hinausläuft - wenn der Pro gut ist und dem neuen Schüler Spaß am Golf vermitteln kann.
Erst wenn auch diese Stufe genommen ist, sollte man dem Neugolfer überhaupt Informationen zu Mitgliedschaftsmodellen zukommen lassen. Hier sollten immer nur Monatsbeiträge aufgeführt werden, wie es z.B. in Fitness-Studios üblich ist. Es klingt günstiger, 99 Euro im Monat zu bezahlen als 1.100 Euro im Jahr.
Immer die Zahlungsbereitschaft des Interessenten im Blick zu haben, ist wesentlich. 20 bis 30 Prozent aller Teilnehmer von Schnupperkursen werden so am Ende Mitglied eines Golfclubs. Angesichts von 4,1 Millionen Deutschen, die von sich selber sagen, Interesse am Golf zu haben, darf man getrost Golf als einen „schlafenden Giganten" bezeichnen.
Klassische Werbung ist für die Ansprache von neuen Interessenten denkbar ungeeignet. Mitglieder, die im Freundeskreis dazu einladen, es doch einfach selber einmal auszuprobieren, sind dagegen sehr effektiv, wenn nicht im Nachsatz auch gleich eine Mitgliedschaft angesprochen wird.
Um den Themenkomplex besser greifbar zu machen, wird es regionale Fortbildungen in NRW geben. „Wir müssen rechtzeitig anfangen", so die Überzeugung des Präsidenten des Golfverbands NRW.
Bericht des Präsidiums
Beim Bericht des Präsidiums begrüßte Schieffer zunächst vier neue Golfanlagen. Aktuell gibt es damit in NRW 170 Anlagen mit rund 120.000 Golfern, ein Zuwachs von knapp 3.000. Nur der Landesverband Bayern ist noch etwas größer.
Ein Sammelantrag für Pflanzenschutzmittel an die Landwirtschaftskammer wird vom Golfverband NRW nicht bearbeitet, da dies nicht mehr zulässig ist.
Schieffer zog ein rundum positives Fazit hinsichtlich der Zusammenarbeit zwischen Golfverband NRW und DGV. Er selbst ist im Länderrat vertreten und ins DGV-Präsidium gewählt worden. „Es werden auf allen Ebenen sehr offene Diskussionen geführt und NRW ist in allen DGV-Gremien gut vertreten", so Schieffer weiter.
Erhard Wetterich, der Vorsitzende des Sportausschusses sprach in seinem Bericht vor allem über die Zukunft.
So soll es in jedem Club einen Regelbeauftragten geben. Der Golfverband NRW bietet entsprechende Ausbildungen ab diesem Jahr an.
Als sportliche Erfolge hob Erhard Wetterich den fünften Triumph in Folge von Martin Birkholz (Schmitzhof) bei den Deutschen Meisterschaften der Jungsenioren und den Sieg der Herren des GC Hubbelrath bei der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft in Bad Saarow hervor.
Ab 2013 werden die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften im Ligasystem ausgetragen, ähnlich wie bisher die Landesmeisterschaft in NRW ausgespielt wurden. In Gruppen von jeweils fünf Mannschaften wird es vier Auswärtsspiele geben, einmal hat jede Mannschaft das Heimrecht.
Die Zukunft des Willy-Schniewind-Mannschaftspreises
Die Landesmeisterschaft in NRW soll in veränderter Form dennoch fortbestehen bleiben. Ab 2013 wird an nur einem Spielwochenende im Lochspiel der WSMP ausgespielt. In der 1.Liga werden acht Mannschaften, ab der 2.Liga jeweils sechs gemischte Teams gegeneinander antreten. Der Modus zur Bestimmung des gastgebenden Clubs ist noch in der Diskussion.
Stephan Krämer, der Vorsitzende des Jugendausschuss berichtete, dass Jugendliche immer weniger Zeit haben. Die Schule geht oft länger, so dass die Kinder erst nach 16 Uhr auf die Anlage kommen. Hierdurch entstehen Konflikte mit Erwachsenen.
Damit die Nachwuchsspieler Schule und Training leichter miteinander vereinbaren können, werden ab 2012 alle Landeskader in allen Stützpunkten trainieren. Der Landestrainer muss entsprechend mehr fahren.
Finanzen in Ordnung
Eberhard Eschenbach stellte die Jahresrechnung 2011 als Einnahme-Ausgabe-Rechnung vor. Gegenüber der Planung wurde ein Überschuss in Höhe von rund 68.000 Euro erzielt. Auch wenn in 2012 einzelne Ausgabeposten steigen werden, soll der Beitrag auf fünf Euro je Mitglied sinken. Im Saldo plant das Präsidium mit einem leichten Rückgang: „Wir wollen den Kassenbestand nicht weiter erhöhen", erläuterte Eschenbach.
Die Entlastung des Präsidiums für 2011 wurde ebenso einstimmig erteilt, wie die Zustimmung zum Finanzvoranschlag 2012.
Abschied von Goerdt Stubbe
In jedem Jahr wird ein Drittel der Präsidiumsmitglieder neu gewählt. Carsten Schapmann stellte sich zur Wiederwahl, während Goerdt Stubbe nach 20 Jahren im Präsidium des Golfverbands NRW seinen Platz frei macht.
Ekkehart Schieffer würdigte die Verdienste von Goerdt Stubbe, dessen Leidenschaft immer das Ruling war. Als Platzrichter wurde Stubbe auch auf der PGA-Tour eingesetzt.
Der ehemalige Präsident des Golfverbands NRW war unter anderem auch Vorsitzender im Regelausschuss des DGV und wurde 2006 zum Ehrenplatzrichter ernannt. Von 2003 bis 2005 gehörte Stubbe dem Präsidium des DGV an.
Schieffer hob hervor, dass Goerdt Stubbe in 20 Jahren Ehrenamt unendlich viel Zeit für die Sache eingesetzt und sich sehr verdient gemacht hat.
Goerdt Stubbe bedankte sich für die freundlichen Worte. Interessante und schöne Zeiten habe er erlebt und viele Freunde in den 20 Jahren gewonnen: „Es hat mir Spaß gemacht und die Freundschaften dauern an. Danke, es war eine schöne Zeit!"
Mit Gisela Beckamp, der ehemaligen Spielführerin des GC Bergisch Land, stellte sich zur großen Freude von Ekkehart Schieffer nach einiger Zeit wieder eine Dame zur Wahl. Gisela Beckamp ist seit 1963 Mitglied im GC Bergisch Land und hat dort zahlreiche Ehrenämter übernommen.
Die Wahl ins Präsidium des Golfverbands NRW erfolgte für Carsten Schapmann und Gisela Beckamp einstimmig.
Die Festsetzung des Jahresbeitrags wird neu geregelt. Es bleibt dabei, dass es einen Rahmenbeschluss gibt, wie hoch der Beitrag festgesetzt werden darf. Einstimmig beschlossen wurde, dass dieser Rahmenbeschluss ab 2013 alle drei Jahre neu gefasst werden muss.
Anträge wurden keine gestellt und als unter dem Punkt „Verschiedenes" keine Wortmeldung erfolgte, war Präsident Eckkehart Schieffer froh: „Sie scheinen wunschlos glücklich zu sein."







