St. Leon-Rot - Es ist das größte Ereignis im Welt-Damengolf und zwei Spielerinnen aus Nordrhein-Westfalen waren in diesem Jahr dabei: Caroline Masson und Sandra Gal haben im Solheim Cup die Farben Europas vertreten. Mit 13,5:14,5 unterlag Europa denkbar knapp, nachdem die USA eine nie dagewesene Aufholjagd erfolgreich krönen konnten.
Mit einer 10:6-Führung war Europa in die abschließenden zwölf Einzel gegangen und brauchte nur noch vier Punkte, um die große Glastrophäe behalten zu dürfen. Doch nach einem unschönen Vorfall im Vierball zwischen Suzann Pettersen (Norwegen) und Charley Hull (England) auf der einen Seite sowie Alison Lee und Britanny Lincicome auf der anderen Seite, als Alison Lee einen Ball aufhob, den sie für geschenkt hielt, den die Europäerinnen aber wohl tatsächlich noch nicht ausdrücklich geschenkt hatten, kamen die US-Girls dermaßen entschlossen in die Einzel, dass das Momentum ganz klar auf Seiten der Gäste aus den USA war. Zumal die Stimmung im Team Europas vor den Einzeln wohl auch etwas gedrückt war. Hier war zwar alles exakt nach den Regeln des Golfsport verlaufen, aber der Geist des Spiels war nicht beachtet worden.
Und so kam es, dass Europa zwar in den ersten sieben Matches noch 3,5:3,5-Punkte holte und nur noch ein halber Punkt zur Titelverteidigung fehlte, aber die letzten fünf Matches dominierten die USA mehr oder weniger klar. Schon ehe die hinteren Matches zu Ende gespielt hatten, wurde auf Grün 17 ausgiebig gejubelt, nachdem Angela Stanford in einer packenden Partie passender Weise die Norwegerin Suzann Pettersen mit 2und1 niedergerungen hatte.
Caroline Masson hätte in ihrem Match gegen Gerina Piller vorher schon für Europa den Sack zu machen können, musste aber anerkennen, dass Piller in diesen Tagen auf den Grüns überragend unterwegs war. Für Masson selber waren die Löcher in dem Einzel beinahe wie zugenagelt und so ging auch der letzte, alles entscheidende Putt ganz knapp fehl. Natürlich war bei der Gladbeckerin die Enttäuschung riesig und die vorher zu sehende Freude am Spiel mit den Zuschauermassen war verfolgen.
Sandra Gal spielte in ihrem Einzel gegen Paula Craemer fehlerfrei und blieb ohne Bogey. Gegen die wie entfesselt auftrumpfende Craemer war dies an diesem so emotionalen Finaltag zu wenig, denn auch Craemer schien einen Pakt mit den Grüns geschlossen zu haben und lochte auch lange Putts mit traumhafter Sicherheit, so dass die Deutsche, die früher für den GC Hubbelrath gespielt hatte, neidlos anerkennen musste, wie verdient der Sieg für die USA war.
Insgesamt kommen Masson und Gal, die beide die Kader des Golfverbandes NRW durchlaufen haben, auf eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Sandra Gal hatte schon die ersten drei Sessionen dieses Solheim Cups gespielt und nur den Vierball des zweiten Tages ausgelassen. Bei vier Einsätzen holte die Rheinländerin insgesamt 2,5 Punkte für Europa, davon einen halben am frühen Morgen des zweiten Tages, als sie gemeinsam mit Caroline Masson den Vierball zu Ende spielte, der am ersten Abend nach einer Gewitterunterbrechung wegen Dunkelheit unterbrochen worden war. In diesem Match gelang Sandra Gal auch ihr ganz persönlicher Schlag des Turniers, als sie auf Bahn 18 einen Ball aus schwerer Lage tot an den Stock legte und so im letzten Moment für den Ausgleich sorgte.
Caroline Masson spielte die beiden Vierball-Sessionen und im Einzel. Nachdem sie mit Gal gemeinsam einen halben Punkt für Europa geholt hatte, kassierte Masson mit Caroline Hedwall (Schweden) eine denkbar unglückliche 1down-Niederlage gegen Stacy Lewis und Gerina Piller, ehe im Einzel eben jener letzte Putt nicht fallen wollte.
Der GC St. Leon-Rot hatte für diesen Solheim Cup unglaublich viel getan und ein Umfeld geschaffen, wie es John Solheim, der Namenspate des Turniers noch nicht erlebt hatte. Die Stimmung war trotz des mitunter ganz schlimmen Wetters gigantisch und erinnerte eher an das Revierderby im Fußball als an ein Golfturnier. Lautstarke Anfeuerungen hüben wie drüben sorgten für eine Atmosphäre, die niemand so schnell vergessen wird, der selber vor Ort war. Und jeder, der zu Hause geblieben ist, hat ein einmaliges Erlebnis verpasst.
Die Spielerinnen werden die Tage von St. Leon-Rot jedenfalls nie vergessen, denn eine derartige Wertschätzung von Fans und Organisatoren erfahren selbst die Größten dieser Sportart selten oder nie.
Trotz teilweise sintflutartiger Regenfälle und der damit verbundenen Sperrung aller Parkplätze in der Nähe des Golfclubs hatten in der gesamten Turnierwoche fast 70.000 Zuschauer die Spiele verfolgt. Alleine am Finaltag waren 29.000 Fans nach St. Leon-Rot gepilgert und sorgten für ein Spektakel, wie es wohl nur noch bei einem Ryder Cup zu toppen wäre.
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