New Delhi/Indien – Acht Jahre, drei Monate und 24 Tage musste er auf diesen Moment warten: Marcel Siem hat sich in Indien in einem faszinierenden Duell gegen den deutlich jüngeren Yannik Paul aus Mannheim durchgesetzt und seinen insgesamt fünften Sieg auf der European Tour gefeiert.
Der 42-Jährige, der auch in den Kadern des Golfverbandes NRW gefördert wurde, zeigte viele grandiose Schläge und durfte nach Runden mit 69, 70, 67 und 68 Schlägen den Pokal in den Himmel recken. In die Finalrunde war der Athlet des Düsseldorfer GC mit einem Schlag Rückstand auf Yannik Paul gegangen, glich diesen mit einem frühen Birdie aus und ging mit zwei Birdies zu Beginn der Back Nine in Führung.
Auf Bahn 13 musste der Routinier, der zwischenzeitlich sogar die Tourkarte verloren hatte und sich über die Challenge Tour und Q-School neu für die Beletage des europäischen Profigolfs qualifizieren musste, sein einziges Bogey des Tages notieren. Da Yannik Paul gleichzeitig ein Birdie unterbrachte, ging die beiden Titelanwärter schlaggleich auf das 14. Tee. Die Spannung war riesig und hielt bis zum letzten Schlag an. Mit einem Birdie auf Loch 15 schob der Rheinländer sich wieder alleine an die Spitze und verteidigte diese bis zum Ende.
Der Sieger war nach dem letzten Putt völlig aus dem Häuschen und ließ seinen Emotionen freien Lauf. Nach dem zwischenzeitlichen Tief hatte sich Siem mit großem Kämpferherz und sehr viel Arbeit wieder Stück für Stück an die Spitze herangetastet und in der noch jungen Saison bislang bei allen sieben Starts den Cut gemacht. Vor wenigen Wochen feierte Siem ein großes Jubiläum, als er sein 500. Turnier auf der European Tour, die jetzt DP World Tour heißt, absolvierte.
Mit dem Triumph, der Siem einen Scheck über rund 321.000 Euro einbrachte, klettert der Sieger in der Order of Merit auf den achten Platz und steht damit auch in der Jahreswertung als bester Deutscher einen Rang vor Yannik Paul.
Kick-Start
Nach seiner Rückkehr nach Mauritius konnte Marcel Siem etwas reflektieren, was da am Sonntag in Indien geschehen war: „Es war alles etwas anstrengend, aber es war schöne Anstrengung. Jetzt fängt man langsam an, zu realisieren, was eigentlich passiert ist. Der Platz war mega geil, weil er so schwer ist. Eigentlich waren alle Plätze, auf denen ich gewonnen habe, ziemlich eng. Das Coursemanagement musste man auf jeden Fall beachten und konnte nicht einfach den Driver ballern. Es war kein Puttiung-Contest. Man musste sehr konzentriert spielen, denn jeder kleine Fehler wurde bitter bestraft. Die letzte Runde mit Yannik Paul und Joost Luiten war natürlich super geil. Hat viel Spaß gemacht. Yannik ist echt ein guter Junge, ein guter Spieler und wird eine gute Zukunft vor sich habe, denke ich. Es ist mega, dass ich jetzt zurück im Winnercircle bin. Nach den letzten paar Jahren, die ein bisschen bitter waren, macht es das Leben und die Planung jetzt etwas leichter. Jetzt kann ich wieder die großen Turniere spielen. Das war ein kleiner Kick-Start in die zweite Hälfte oder vielleicht ins dritte Drittel meiner Karriere.“
Knappe auf T6
Auch Alexander Knappe hat in Indien ein ganz starkes Ergebnis abgeliefert. Der 33-Jährige brachte Runden mit 73, 71, 71 und 66 Schlägen in die Wertung. Mit der tiefen Finalrunde, auf der der Westfale zwei Bogeys mit zwei Eagles ausglich, kletterte Knappe zehn Plätze und schob sich so auf den sechsten Platz vor.
In der Order of Merit reichte das zweite Spitzenergebnis in Folge, um 14 Plätze zu klettern und in die Top 30 aufzusteigen.
Auch Nick Bachem findet sich in seinem Rookie-Jahr immer besser auf der DP World Tour zurecht. Der Sportsoldat vom Marienburger GC unterschrieb Scorekarten mit 71, 73, 73 und 70 Schlägen. Lohn für diese gute Leistung war der 23. Platz, Bachem bislang beste Platzierung in dieser Saison.
Sunshine Ladies Tour
Bachems Clubkameradin, Carolin Kauffmann hat bei der Jabra Ladies Classic, einem Turnier der Sunshine Ladies Tour, in Südafrika mit 69, 70 und 71 Schlägen den siebten Platz erspielt.
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