Bachem und de Bruyn schreiben Golfgeschichte

Team-Europameisterschaft 2020

Hilversum/Niederlande – In Hilversum schreibt das National Team Germany um Bundestrainer Ulli Eckhardt Golfgeschichte. Gegen Titelverteidiger Schweden holt zum ersten mal eine deutsche Herrenmannschaft den Titel bei der Team-Europameisterschaft. In einem faszinierenden Finale hat Deutschland gegen Schweden den Titel geholt. Bei der vierten Finalteilnahme nach 1969, 1999 und 2005 hat es nun endlich gepasst. Mit 2:1 wurde der Titelverteidiger in einem dramatischen Finish niedergerungen.
Mittendrin: zwei Spieler, die auch in den Kadern des Golfverbandes NRW gefördert wurden. Jannik de Bruyn und Nick Bachem waren somit tragende Säulen eine bis hierhin einmaligen Erfolges.

Hochspannung am Finaltag

In der entscheidenden Phase des Finales war die Spannung kaum noch auszuhalten, bis auf dem 18. Grün endlich der entscheidenden Punkt eingefahren war. Bis es soweit war, hatte das gesamte Team alles in die Waagschale werfen müssen, um am Ende zu triumphieren. Dies wurde allerdings mit Bravour erledigt und der Auftritt von Nick Bachem (Marienburger GC), Marc Hammer (GC Mannheim-Viernheim), Jannik de Bruyn (GC Hösel) und Matthias Schmid (GC Herzogenaurach) nötigte Konkurrenz und Zuschauern größten Respekt ab. Am Ende waren sich alle einig, dass dieses deutsche Team völlig verdient den Titel abgeräumt hatte.

Der Bachem-Vierer

Nick Bachem hatte in der Zählspielqualifikation mit einer 71 (-1) sehr solide gespielt. In den Matchplays wurde der Marienburger dreimal im Vierer eingesetzt. Im Viertelfinale holte Bachem an der Seite von Jannik de Bruyn mit 3&2 einen Punkt für Deutschland. Im Halbfinale und Finale ging der Sportsoldat jeweils mit Marc Hammer raus. Gegen die Schweiz gab es einen glatten 4&3-Sieg, ehe der Vierer im Finale gegen Schweden zu einem wahren Krimi wurde. Als dieses Match in die Endphase ging, führte Deutschland durch einen nie gefährdeten 6&5-Sieg des überragenden Matthias Schmid schon 1:0 und es fehlt nur noch ein Sieg für den Titelgewinn.
Das Duell gegen David Nyfjall und Albin Bergstrom war von einem ständigen Auf und Ab gekennzeichnet. Allerdings hatten die Bundesadler meist die Nase vorne. Nur zweimal, auf den Löchern 4 und 11 ging das Drei-Kronen-Duo in Front. Ansonsten stand es lange Zeit entweder all square oder aber Hammer/Bachem führten knapp.
Als wenn der Lochverlust auf Bahn 11 ein Warnschuss vor den Bug war, der alle Sinne der Deutschen schärfte, gab es auf den Bahnen 12, 13 und 14 ein kleine Serie an Lochgewinnen, die auch in ihrer Art und Weise dem Gegner Respekt einflößten. Mit dormie 2auf ging es auf das 17. Tee.
Marc Hammer und Nick Bachem hätten auf dem 17. Grün den Sack zumachen können, aber ein echter Wadenbeißer zum Sieg verfehlte knapp das Ziel. Schweden holte auf und so ging es mit 1auf auf die 18. Bundestrainer Ulli Eckhardt hielt sich in etwas Entfernung zu seinen Schützlingen auf, denn der Coach konnte die Spannung kaum noch ertragen. So sehr wünschte sich der Bundestrainer diesen Titelgewinn für seine Burschen und auch für den deutschen Golfsport insgesamt.
Nick Bachem, der soeben den Siegputt vergeben hatte, nagelte den Teeshot links unter einen Baum, so dass die Schweden nach ihrem sicheren Abschlag im Vorteil waren. Der zweite Schlag der Skandinavier verfehlte das Grün nur leicht, aber die Lage für das Anspiel auf die Fahne war für die Nordländer nicht optimal, so dass die Hoffnung wieder wuchs, das Hammer/Bachem die Bahn für Deutschland halten könnten. Und tatsächlich!
Nick Bachem spielte das Grün auf der sicheren Seite an und Marc Hammer hatte einen Putt aus rund sechs Metern zu Sieg. Wie auf Schienen lief die Kugel auf das Loch zu und als Hammer schon jubeln wollte, lippte der Ball doch noch aus. Nun war der Druck auf den Schultern der Schweden, die einen Putt aus etwas mehr als drei Metern versenken mussten, wenn sie den Ausgleich noch erzielen und das Match auf das erste Extraloch bringen wollten. Der Putt verfehlte sein Ziel und damit war für Deutschland der entscheidende zweite Punkt gewonnen.
Die Spannung löste sich und der Jubel war riesig. Deutschland hatte sich zum ersten Mal in der langen Geschichte der Team-Europameisterschaften den Titel gesichert. Die Art und Weise, wie Bundestrainer Ulli Eckhardt dies mit seinen Jungs bewerkstelligt hatte, wird noch lange in Erinnerung bleiben und alle vier Athleten den Rest ihres Lebens begleiten.

Ein starker Schlussmann

Im letzten Match das Tages war Jannik de Bruyn gegen Vincent Norrman unterwegs. Der Sportsoldat vom GC Hösel startete famos und führte nach drei Bahnen schon mit 2auf. Der Schwede zeigte mit seiner ganzen Routine aber keine Nervosität und lieferte sich mit dem Aktivensprecher des DGV eine Match auf allerhöchstem Niveau.
Der Schwede glich auf Bahn 6 wieder aus und übernahm auf dem 9. Loch erstmals die Führung. Der Deutsche, der selbst schon seine vierte Team-EM spielte, ließ seinen Gegner aber nicht davonziehen und so blieb es sehr lange auch in diesem Match spannend.
Drehen konnte Jannik de Bruyn das Blatt aber nicht noch einmal und so steht für dieses harte Duell am Ende ein 2&1-Sieg für Schweden in den Büchern. Da exakt zu der Zeit, als dieser Punktgewinn für das Drei-Kronen-Team feststand, sich auf dem 18. Grün das dramatische Finish des Vierers abspielte, bliebt dieser Matchverlust ohne Auswirkung und der deutsche Tross konnte über den größten Erfolg in der Geschichte des DGV jubeln.

Eine Familie

Neben dem individuellen Können der vier Spieler, die diese Goldmedaille für Deutschland gewonnen haben, war vielleicht ein Faktor ganz wesentlich für den Erfolg. Dieses Team ist mehr als nur eine Zweckgemeinschaft. Dieses Team ist fast wie eine Familie. Die Athleten und die Betreuer kennen sich seit Jahren, schätzen sich seit Jahren. Es gab praktisch jederzeit unter allen Beteiligten ein blindes Verständnis. Bundestrainer Ulli Eckhardt, Mental-Coachin Silke Lüdike und Physiotherapeut Marc Hohmann sind mit den Spielern über die Jahre so eng zusammengewachsen, dass dieser Sieg eine ganz besondere Note bekommt.
Trotz aller Anspannung in den Wettkampfrunden war es für Betreuter und Athleten eine Woche voller Harmonie und tiefer Freundschaft. Wenn sprichwörtlich beim Fußball von elf Freunden gesprochen wird, die nötig sind, um große Erfolge zu feiern, dann hat sich diese Weisheit bei der Team-EM der Golfer in den Niederlanden eindrucksvoll bewahrheitet.

So jubelten die NRW-Spieler

Nick Bachem unterstrich die Bedeutung der Mannschaft: „Das besondere ist, mit einer Mannschaft zu gewinnen. Ich war mit der Jugend schon einmal in einem Finale. Das haben wir damals leider verloren, aber jetzt hier zu gewinnen, mit Marc den entscheidenden Punkt zu holen, ist mega. Wir sind wie eine Familie, die Trainer, die ganze Truppe. Das ist etwas ganz Besonderes. Ich habe so etwas in einem Team noch nie erlebt. Alle verstehen sich sehr gut, alle sind schon so lange zusammen unterwegs. Man weiß alles über die anderen, man weiß, was man fühlt. Man weiß, was man sagen muss und was man nicht sagen sollte. Der Schlag ins 18. Grün war erlösend. Den Putt von Marc habe ich die ganze Zeit drin gesehen, habe schon gedacht, dass ich anfangen kann, zu jubeln. Auf den letzten Löchern war ich so nervös wie noch niemals zuvor. Es war Wahnsinn. Das es am Ende gereicht hat, ist um so geiler. Wir haben ein Stück weit mit dieser Truppe Geschichte geschrieben.“

Auch Jannik de Bruyn hob die Bedeutung des Teams hervor: „Ich liebe Teamformate. Für jeden alles zu geben, bedeutet mir sehr viel. Mit den Jungs, die ich schon so lange kenne, Europameister geworden zu sein, ist Weltklasse. Es war in den letzten Tagen etwas unglücklich, weil ich im Zählspiel als letzter gestartet bin und da war es am Ende schon durch. Auch im Halbfinale gegen die Schweiz war schon alles durch, heute dann auch. Ich habe es trotzdem genossen. Ich mag es, hinten zu spielen, um da zu sein, wenn es wirklich entscheidend wird. Das war heute zwar nicht so, aber ich freue mich, dass wir den Titel geholt haben. Wir haben eine sehr erfolgreiche Woche hinter uns. Wir  wussten vorher um unsere Stärke, wir waren alle gut drauf und haben dann mit Matti einen Spieler dabei, der echt schwer zu schlagen ist. Wir anderen anderen waren auch gut drauf.“

Das sagt der Sportvorstand

„Das war heute historisch. Noch nie hat Deutschland die Team-EM der Herren gewonnen. Dreimal im Finale gewesen und dreimal gescheitert. Heute sollte es sein. Die Mannschaft hat von Anfang an brilliert, vom ersten Moment an und ist mehr als verdient Europameister. Dieser Titel ist das Highlight, weil er uns noch fehlte. Bei den Damen gehören wir permanent zu den Besten Europas. Bei den Herren ist es die harte Konkurrenz, gegen die wir uns jetzt durchgesetzt haben. Gegen Schweden heute ein fulminanter Sieg. Ich bin selber noch völlig überwältigt. Da war Wunsch und Verzweiflung zwischendurch, einen langen Putt gelocht, hier ein Loch verloren, aber am Ende bin ich einfach nur überglücklich“, schilderte Marcus Neumann, Vorstand Sport des DGV, seine Gefühlslage unmittelbar nach dem emotionalen Schlussakkord auf dem 18. Grün.

 

Alle Informationen und viele Bilder

Europameister Nick Bachem vom Marienburger GC (Foto: DGV/stebl)

Europameister Jannik de Bruyn vom GC Hösel (Foto: DGV/stebl)

Diese vier Athleten haben deutsche Golfgeschichte geschrieben (Foto: DGV/stebl)

Team-Europameister Jannik de Bruyn und Nick Bachem (Foto: DGV/stebl)